Große Teile der Bevölkerung haben sich in den letzten Jahren Eigenheime errichtet. Bei vielen Leuten steht die Verwirklichung ihrer Baupläne noch bevor. Nicht wenige der Bauherren sind damit zum ersten Male gezwungen gewesen, Hypotheken zur Finanzierung des Grundstückskaufs und des Hauses aufzunehmen. Sie mußten sich plötzlich mit neuen Begriffen auseinandersetzen, deren Bedeutung sie nur schwer abschätzen konnten. Eine Hypothek hat ihre eigenen Gesetze, die komplizierter sind, als man allgemeinhin annimmt. Über ihre wirtschaftlichen Auswirkungen werden Sie, meine verehrten Leser, im folgenden Text einiges erfahren. Ich habe ihn der Schrift von Franz Sellhorst „Geld leihen kostet Geld“ entnommen, die im Ludgerus Verlag, Essen, erschienen ist. Ich weiß natürlich, daß Sie keine Kirchtürme bauen wollen. Aber wenn Sie ein Haus errichten wollen, dann ändert sich an der Sache praktisch nicht sehr viel.

Eine Pfarrei hat ihre im Krieg zerstörte Kirche wiederaufgebaut. Nur der Turm fehlt noch. Nun stellt der Pfarrer den Antrag, der Kirchengemeinde die Aufnahme eines Darlehns zu genehmigen, für das die Pfarrei aus zusätzlichen Kollekten und Sammlungen den Schuldendienst aufbringen wolle. Das Generalvikariat stellt die Genehmigung in Aussicht. Der Pfarrer geht zur Sparkasse und erhält ein Angebot. Die Sparkasse ist bereit, der Kirchengemeinde 100 000,– DM zu leihen zum nominellen Zinssatz von 7 vH jährlich und zum nominellen Tilgungssatz von 1,5 vH jährlich. Es sollen also jährlich 7 vH plus 1,5 vH = 8,5 vH an die Sparkasse gezahlt werden = 8500 DM (Jahresleistung). Was durch die fortschreitende Tilgung an Zinsen erspart wird, soll als zusätzliche Tilgung verrechnet werden. Die Kasse gibt weiter an: die Zins- und Tilgungsleistungen sollen halbjährlich verrechnet werden; das Darlehn wird zu 97 vH ausgezahlt, die Auszahlung kann jedoch auf 100 vH mittels Tilgungsstreckung erhöht werden; außer der Annuität und einer einmaligen Provision von 1000,– DM ist halbjährlich ein gesonderter Verwaltungskostenbeitrag von 0,25 vH der Darlehnssumme zu entrichten. Mit diesem Bescheid der Sparkasse geht der Pfarrer heim, und nun beginnt er zu rechnen. Er will wissen, wie teuer das Darlehn ist und wie lange seine Gemeinde an dem Darlehn zu tragen hat.

Der Pfarrer teilt seine lange Rechnerei auf in folgende Teilrechnungen:

a) Wie verläuft die Verzinsung und Tilgung des Darlehns?

b) Wieviel Zinsen und andere Unkosten sind zu tragen, bis der letzte Heller bezahlt ist?

Die erste Teilrechnung, der sogenannte Tilgungsplan, ist eine harte Geduldsprobe. Der Pfarrer geht von der Überlegung aus, daß die Zinsen und Tilgungen halbjährlich geleistet werden müssen und verrechnet werden sollen. Die nominellen Jahressätze für Verzinsung und Tilgung halbiert er und rechnet nun für das erste Halbjahr aus: 3500,– DM Zinsen und 750,– DM Tilgung. Am Ende des ersten Halbjahres beträgt die Schuld noch 99 250,– DM.

Für diesen Betrag sind im zweiten Halbjahr 3473,75 DM Zinsen zu zahlen, also 26,25 DM (= 3,5 vH von 750, DM) weniger als im ersten Halbjahr. Da aber die Halbjahresleistung gleichbleibend 4250,– DM betragen soll, addiert der Pfarrer die 26,25 DM zu den 750,– DM, die er ohnehin als Tilgung für das zweite Halbjahr zahlen muß, und erhält als Gesamttilgung für das zweite Halbjahr 776,25 DM. Das Darlehn hat am Schluß des zweiten Halbjahres die Höhe von 98 473,75 DM.