Die Bilanzsumme der Kreditanstalt für Wiederaufbau betrug bis 1958 über Jahre hin etwa 5,5 Mrd. DM. Das Institut zeigte keine Expansionstendenzen. Das hätte sich auch mit seiner im Gesetz klar umrissenen Aufgabe nicht vereinbaren lassen. Hiernach soll die KfW für die Durchführung des Wiederaufbaues Darlehen herauslegen, soweit andere Kreditinstitute nicht in der Lage sind, die erforderlichen Mittel aufzubringen. Dafür standen der Anstalt Darlehen, vor allem ERP-Mittel, zur Verfügung, die sie durch die Auflage von eigenen Schuldverschreibungen um einige hundert Millionen und später durch Kassenobligationen um nochmals eine halbe Milliarde aufbesserte. Dem allen aber sind Grenzen gesetzt, denn nach dem Gesetz ist es der KfW verboten, Verbindlichkeiten einzugehen, die einen Betrag von acht Mrd. DM übersteigen.

Solange die KfW nur für den Wiederaufbau tätig war, ist diese Grenze niemals von Bedeutung gewesen. Das Inlands-Geschäft besteht weiter und an ihm wird sich auch nichts durch die Einschaltung in die Entwicklungshilfe ändern. Zwar werdenDarlehen zurückbezahlt; dafür werden andere wieder ausgegeben. In drei großen Bereichen istdie KfW auch heute noch im Inland sehr aktiv, so bei der Kreditversorgung der mittleren Industrie und der des kleinen Gewerbes, für die Berliner Auftragsfinanzierung und für die Wasserwirtschaft. Insgesamt hat die KfW 1960 Kreditzusagen für Inlandsinvestitionen in einem Betrage von einer Milliarde DM gegeben.

Nach dem Gesetz obliegt der KfW auch die Finanzierung von Exporten. Diese Aufgabe ist ihr vor etwa zehn Jahren zugefallen, als die deutsche Industrie wieder auf die Auslandsmärkte drängte. Die Exportfinanzierung ging zwar im wesentlichen auf die AKA über, hat aber die KfW niemals ganz losgelassen. Mit der Zeit änderte sich jedoch die Zielsetzung. Sie ging in Richtung auf die Entwicklungshilfe. In diesem Bereich ist die KfW seit nunmehr drei Jahren unter ausdrücklicher Billigung aller politischen Stellen führend tätig. Dabei wurde von ihr die Exportfinanzierung niemals aufgegeben, obwohl unter dem Eindruck der Zahlungsbilanzüberschüsse der ungebundene Kredit vielen als die bessere Lösung erscheinen mag. Die KfW pflegt auch ihn. Von den 1960 gegebenen Kreditzusagen im Auslandsgeschäft in einem Gesamtbetrag von 885 Mill. DM fallen nur noch 110 Mill. DM auf Exportfinanzierungskredite, während der Rest unmittelbare Auslandskredite sind.

Praktisch betätigt sich die KfW also auf allen Gebieten der Entwicklungshilfe. Sie stellt heute, wie es in ihrem Jahresbericht 1960 heißt, in ihrem Auslandsgeschäft eine Kombination aus Weltbank, Export-Import-Bank und Development loan Fund dar. Eine längerfristige Finanzierung von Exportaufträgen z. B. liegt nicht nur im Interesse der deutschen Hersteller von Anlagegütern, sondern auch in dem der Entwicklungsländer, die das deutsche Industriepotential nutzen wollen.

Demnächst werden im Rahmen der großzügigen deutschen Auslandshilfe der KfW weitere Aufgaben zufallen. Dafür muß sie ein etwas anderes Gesicht bekommen. Eine Änderung ihres Gesetzes wird notwendig. Der Geschäftszweck der KfW muß etwas anders definiert werden; die Acht-Milliarden-Grenze für Verbindlichkeiten bedarf einer Ausweitung und schließlich muß, wenn das Institut mit dem Ausland arbeiten soll, das Kapital den Normen entsprechen, die in der internationalen Finanzwelt Geltung haben. Mit einem Stammkapital von einer Million läßt sich kein Staat machen. Man wird also der KfW ein Stammkapital von einer Milliarde geben müssen, ohne daß der Steuerzahler hierfür neue Mittel aufbringen muß. Es werden Rücklagen umgewandelt werden, aus Darlehen werden haftende Mittel u.a. m. Am Ende sollen der Bund eine Beteiligung von 800 Mill. DM und die Länder eine von 200 Mill. DM besitzen. Der personelle Einfluß der Länder soll dadurch nicht zurückgedrängt werden.

Klare Vorstellungen bestehen jetzt auch über das künftige Verhältnis zwischen der Bundesregierung und der KfW. Bundeswirtschaftsminister und Bundesfinanzminister sollen gemeinsam die große Richtung für die Entwicklungshilfe angeben; Aufgabe der KfW wird es sein, dafür Sorge zu tragen, daß bei der Kredithergabe bankmäßige Grundsätze Beachtung finden.

Zu den Aufgaben der KfW gehört es, sorgfältig darauf zu achten, daß nur wirtschaftlich gesunde Projekte finanziert werden. Manchmal wird das nicht möglich sein. Wenn aus politischen Gründen bankmäßige Ansprüche nicht genügend beachtet werden, dann wird die KfW trotz aller Bundesgarantie keine Haftung übernehmen. Die Abwicklung solcher Geschäfte wird sie dann nur treuhänderisch vornehmen. Künftighin wird man aus den Bilanzen der KfW daher ablesen können, welche Kredite das Institut als gesund ansieht und bei welchen Auslandspositionen der Steuerzahler darauf gefaßt sein muß, eines Tages in Anspruch genommen zu werden. W. R.