Von Egon Vacek

Bangkok, Ende März

Die Tempeltänzerinnen mit den schlanken goldbehangenen Gliedern wanden anmutig ihre Leiber. Tausend bunte Glühbirnen hatten das Hauptquartier des Südostasien-Paktes an der Rajdammern Avenue zu Bangkok in einen Märchenpalast verwandelt. Gütig lächelnd genoß der Hausherr, SEATO-Generalsekretär Pote Sarasin, das friedliche Bild: Man feierte die Heimkehr des thailändischen Königspaares.

Am Krisenherd Laos hatte sich – wieder einmal – das Kriegsglück gewendet, die prowestlichen Truppen waren auf dem Vormarsch. Im SEATO-Hauptquartier bereiteten die Funktionäre der Vertragsorganisation zufrieden die alljährliche Routinesitzung des Ministerrates der acht Paktpartner vor. Sie schrieben am Jahresbericht 1960/61, beschrieben ein erfolgreiches Werk des Friedens: Schulen für Ingenieure und Facharbeiter, Cholerabekämpfung, Förderung der Dörfer, Stipendien, Wetterbeobachtung, Dammbau. Das war Ende Januar.

Zwei Monate später können weder der bunte neue Anstrich des Hauptquartiers noch die farbenprächtigen Fahnen darüber hinwegtäuschen, daß die Szene gewechselt hat – von friedlich auf martialisch. Hohe Militärs hasten mit ernsten Gesichtern zu ihren strategischen Besprechungen, geben knappe, ernste Kommentare zur Lage. Denn in Laos hat sich – wieder einmal – das Kriegsglück gewendet: Jetzt sind die prowestlichen Truppen auf dem Rückzug. Vom Jahresbericht des Pote Sarasin interessieren nur noch die Seiten 13 und 14: „Militärische Zusammenarbeit und Abwehr subversiver (kommunistischer) Gefahren.“

Soll die SEATO in Laos intervenieren? Das ist die Frage, welche nun die Tagung der acht Paktstaaten – USA, England, Frankreich, Australien, Neuseeland, Pakistan, Thailand, Philippinen – beherrscht, die am Montag begonnen hat. Die Antwort auf diese Frage wird allerdings nicht in Bangkok gegeben, sondern in Washington und Moskau. Was aber denken die Betroffenen, die südostasiatischen Staaten nahe dem Krisenherd Laos? Was denkt der Generalsekretär der SEATO, Pote Sarasin?

„Die SEATO“, so sagte mir Sarasin kurz vor Beginn der Tagung, „wird zu Unrecht ein Papier-Tiger genannt. Die Laos-Krise ist kein Maßstab für den Wert der Organisation. Wenn ein Auto keinen Fluß überqueren kann, würden Sie dann schon sagen, es ist ein schlechtes Auto? Die SEATO ist nicht als antikommunistischer Kampfbund gedacht, sondern als Instrument zur Abwehr von Aggressionen.“