Pote Sarasin läßt keinen Zweifel daran: Er, der Generalsekretär der südostasiatischen Vertragsorganisation, ist gegen ein militärisches Eingreifen der Paktstaaten in Laos. "Laos gehört kraft einer Zusatzklausel des Vertrages zum Schutzgebiet der SEATO. Wir können aber nur etwas unternehmen, wenn wir von der Regierung zur Hilfe gerufen werden. Das ist bislang nicht geschehen."

Der Generalsekretär ist also für eine politische Lösung des Konfliktes – einige Paktstaaten aber drängen auf die militärische Lösung. Thailand etwa, der einzige Staat des Paktes, der an den Krisenherd Laos grenzt. "Wenn Laos kommunistisch wird, dann haben die Roten ihr Sprungbrett nach Thailand", hatte mir der thailändische Außenminister Thanat Koman gesagt. Pote Sarasin hält einen Alleingang der Thais nicht für ausgeschlossen.

In den westlichen Botschaften kann man hören, daß die SEATO an dieser Sitzung – der wichtigsten seit der Paktgründung im Jahre 1954 – zerbrechen mag. Thailand und die Philippinen haben schon Fühler zur Gründung eines neuen Kampfbundes ausgestreckt – nach Formosa, nach Saigon. Dort fühlt sich der südvietnamesische Präsident Diem bedroht, dessen Land ebenfalls an Laos grenzt und der zudem seit acht Jahren einen blutigen Guerillakrieg gegen kommunistische Rebellen führen muß. Diem und Sarit verfügen über wohltrainierte, gut ausgerüstete Armeen. Und der laotische General Phoumi, Amerikas Mann in Vientiane, ist ein Vetter zweiten Grades des Marschalls Sarit von Thailand.

Doch gibt es für Laos überhaupt eine militärische Lösung? Gewiß könnten amerikanische Marine-Infanteristen den Vormarsch der Pathet Lao des rötlichen Prinzen Souvanna Vong in Stundenfrist stoppen, sie könnten die Nachschubbasis auf der Plaine des Jarres, wo die Russen täglich etwa 50 Tonnen Nachschub anlanden, im Handstreich nehmen. Aber was dann?

Dann würden sich die Pathet-Soldaten, wie schon so oft zuvor, in den Dschungel zurückziehen. Statt von Dosenfleisch würden sie eben wieder von der täglichen Handvoll Reis leben. Statt mit Gorky-Trucks und sowjetischen Jeeps zu fahren, würden sie wieder marschieren. Und notfalls würden sie eben nicht mehr mit russischen Maschinenpistolen schießen, sondern mit vergifteten Pfeilen. Am Bürgerkrieg in Laos würde all das nichts ändern. Man kann hier Orte, Straßen erobern, nicht aber den Dschungel – und man kann die eroberten Orte und Straßen nicht einmal sichern.

In Malaya haben fast hunderttausend glänzend ausgerüstete und ausgebildete englische Elite-Soldaten neun Jahre gegen eine Handvoll Kommunisten gekämpft, gegen zweitausend etwa – ganz haben sie die Guerillas nie besiegen können. Noch heute gibt es an der Grenze gegen Thailand kommunistische Banden. Wie lange wollten die Amerikaner – falls sie intervenieren – im Dschungel von Laos Krieg führen? Und für wen?

Laos ist in den letzten Tagen oft mit Berlin oder Tibet verglichen worden – "keine Handbreit Boden den Kommunisten." In Tibet hat ein Volk erbittert gegen die Kommunisten gekämpft, in Berlin stehen zweieinhalb Millionen Deutsche klar auf der Seite des Westens. Die Laoten hingegen sind kaum ein Volk, geschweige denn ein Staat.