Eine Umfrage der Amerikaner hat kürzlich ergeben, daß rund 70 Prozent der etwa zwei Millionen Laoten nicht wissen, daß es ein Laos gibt, einen König oder eine Hauptstadt. Achtzig Prozent halten die Erde für eine flache Scheibe und glauben, außer ihnen wohnten darauf nur noch einige hellhäutige Menschen, von denen niemand weiß, woher sie kommen. Den "Staat" repräsentieren vielleicht zehn große Familien. Und die Freiheit, von der man glaubt, daß sie in Laos erhalten werden müsse, ist die Freiheit dieser Familien, aus dem goldenen Strom der Auslandshilfen möglichst viel in die eigenen Taschen fließen zu lassen.

Seit 1955 haben die Amerikaner 350 Millionen Dollar nach Laos hineingepumpt – für Waffen. Man sieht dort indes nicht eine einzige neue Brücke, nicht eine einzige neue Schule, keine Fabriken, keinen Staudamm. Die einzige asphaltierte Straße, die von Urentiane nach Luang Prabang, endet nach zwölf Kilometern beim Tennisplatz eines früheren laotischen Verteidigungsministers – dann wird sie zu einem fünf Meter breiten Saumpfad durch den Dschungel. In einem Land, das zu 97 vH von der Landwirtschaft lebt, flössen 1960 von 34,2 Millionen Dollar offiziell ganze 590 00 ins Farmbudget – und keiner weiß, wo sie nun wirklich für die Landwirtschaft Verwendung fanden.

Das kleine Laos hält 30 000 Mann unter US-Waffen – eine Zahl, die selbst amerikanischen Militärs als mindestens um 10 000 zu hoch bezeichnen. Und wie sie kämpfen: Seit den Straßenkämpfen vom Dezember in Vientiane hat kein laotischer Regierurigssoldat das "Weiße im Auge des Feindes" gesehen – nicht einmal den Feind. Die Verluste im "Krieg in Laos" betragen auf der Regierungsseite seit Dezember 52 Tote, fast ausschließlich Minen-Opfer. Der klare Beweis, daß auf der Seite der Kommunisten keine Vietminh-Verbände stehen, ist die "Frontlage": Die Pathet wären längst im Regierungssitz Vientiane und der Königsresidenz Luang Prabang, kämpften wirklich Nordvietnamesen auf ihrer Seite.

Seit 1949 hält die Pathet Lao die drei Nordprovinzen Phongsaly, Samneua und Xiengkhouan, seit 1957 regiert sie praktisch das Land mit Ausnahme der wenigen Städte. Die laotische Regierung ist wohl die einzige Regierung der Welt, die sich nur noch mit dem Flugzeug aus ihrer Hauptstadt heraus wagen kann.

Eine Neutralisierung vonLaos – wie sieKennedy jetzt den Sowjets vorgeschlagen hat – bedeutet für den Westen nicht Verlust, sondern Gewinn: Eine dann über die UNO gelenkte Entwicklungshilfe für Laos würde westliche Methoden und westliche Experten auch in Gegenden bringen, die seit zwölf Jahren lediglich von den Kommunisten versorgt und beraten werden.

Eine militärische Intervention indessen könnte im Augenblick höchstens die akute Bedrohung der laotischen Hauptstadt Vientiane abwenden – nicht aber die Krise militärisch entscheiden.