Fritz André, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, machte auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf kein Hehl daraus, daß die Verwaltungsgremien des Instituts lange geschwankt haben, bis sie sich zu einem Entschluß über das Ergebnis des ungewöhnlich gut verlaufenen Geschäftsjahres 1960 durchringen konnten. Herausgekommen ist die Großbanken-Einheitsdividende vom vergangenen Jahr, nämlich wieder 16 Prozent. Man kann also daraus schließen, daß sich auch die Dresdner Bank nach dem Bonner Wink, in der Dividendenfrage maßzuhalten‚ gerichtet hat. Natürlich mußte man Sorge haben, diesen Abschluß allein mit 16 Prozent durch die Hauptversammlung zu bringen, denn es ist schon ungewöhnlich, wenn sich der Steuerposten in der Gewinn- und Verlustrechnung sich um 25,1 vH auf 131,6 Mill. DM innerhalb eines Jahres erhöht und sich der darin zum Ausdruck kommende Erfolg nicht in der Dividende niederschlägt.

Der Vorstand hat sich auch Gedanken über eine Bonus-Lösung gemacht. „Aber das schien uns vom Motiv her nicht recht begründet“, sagte Andre. „Bei uns sind keine Sondergewinne angefallen, wir haben auch kein Jubiläum!“ Als Sondergewinne wollte er auch nicht den realisierten Kursgewinn bei den NSU-Aktien verstanden wissen, von denen sich die Dresdner Bank zu hohen Kursen über die Börse weit gestreut getrennt hat, um die nach Ansicht der Bank nicht zu rechtfertigende ungewöhnliche Kurssteigerung zu bremsen. (Die Dresdner Bank ist am NSU-Kapital aber immer noch mit mindestens 25 vH beteiligt.)

Um den Aktionären Freude zu machen, wurde auf das Commerzbank-Beispiel zurückgegriffen und vorgeschlagen, das Kapital um 25 Mill. DM auf 245 Mill. DM zu erhöhen. Die Aktionäre erhalten ein Bezugsrecht 10: 1 zu 100 vH (rechnerischer Wert beim heutigen Kurs etwa 55 vH). 3 Mill. DM aus der Kapitalerhöhung stehen der Verwaltung zur freien Verfügung (freihändige Verwertung).

Wie schon angedeutet, so trägt die gleichgebliebene Dividende den kräftig gestiegenen Erträgen nicht Rechnung. Auch die Kapitalerhöhung entspringt nicht etwa einer geschäftspolitischen Notwendigkeit, denn die ausgewiesenen haftenden Mittel von zusammen 490 Mill. DM (220 Mill. Aktienkapital, 270 Mill. DM Rücklagen) machen immerhin 6,2 vH der Bilanzsumme aus. Per 31. 12. 1959 waren es nur 5,2 vH. Nach Durchführung der Kapitalerhöhung werden sich die ausgewiesenen Eigenmittel – ohne Berücksichtigung des aus der freihändigen Verwertung anfallenden Betrages – auf 515 Mill. stellen. Das sind dann 6,5 vH der Bilanzsumme. (Zum Vergleich: Bei der Commerzbank betragen die haftenden Eigenmittel am 31. 12. 1960 rund 5,2 vH der Bilanzsumme).

Bei dieser Rechnung fällt auf, daß die Dresdner Bank keinerlei Scheu hat, ihre offenen Rücklagen weit über das Aktienkapital hinaus zu erhöhen. Sie hat diese per 31. 12. 1960 um weitere 60 Mill. DM aufgestockt, davon stammen 43 (40) Mil. aus laufenden Erträgen. Für die Dividende werden nur 35,2 Mill. gebraucht. Den Pensionsrückstellungen wurden 17 (7) Mill. zugeführt. Ferner wurden die 11 Mill. DM Zugänge bei der Betriebs- und Geschäftsausstattung wiederum voll abgeschrieben. Bei mehreren Posten sind – unschwer erkennbar – nennenswerte stille Reserven gelegt worden. Um die Größenordnungen zu verdeutlichen, wird folgende Faustregel nicht weit an den tatsächlichen Gegebenheiten vorbeigehen: Der für die Dividendenausschüttung erforderliche Betrag ist in etwa aus den Erträgen steuerfreier und steuerbegünstigter Wertpapiere sowie aus den Erträgen aus Schachtelbeteiligungen gekommen. Die Zuweisung an die offenen Rücklagen und die gebildeten stillen Reserven dürften sich in etwa die Waage halten. Diese stammen aus den im normalen Geschäft erzielten Überschüssen. Zieht man alles zusammen, dann muß die Dresdner Bank im Geschäftsjahr 1960 mehr als die Hälfte ihres Aktienkapitals verdient haben.

Diese Relationen muß der Aktionär kennen, um den Erfolg des Instituts würdigen zu können. Er mag mit der Art der Gewinnverwendung – so wie sie erfolgen soll – nicht einverstanden sein. Für die Beurteilung der Aktie ist jedoch nicht die Dividende, sondern die Ertragskraft des Instituts entscheidend. Daran sollte sich auch der Börsenkurs ausrichten, nicht am Dividenden-Gleichschritt. Allerdings macht es die Bank den Aktionären nicht leicht, den vollen Umfang der eingebrachten Ernte zu erkennen. In dieser Beziehung war man ausgesprochen zurückhaltend ...

Bislang war nur von den versteuerten offenen und stillen Reserven die Rede. Wenn man die Erhöhung der Rückstellungen um 44 vH auf 185,9 Mill. DM unter die Lupe nimmt, dann kommt man zu dem Schluß, daß hier nun wirklich allen nur möglichen Risiken Rechnung getragen worden ist. Dazu Fritz André: „Wir haben die Rückstellungen hoch dotiert. Jedes Loch, das wir glaubten erkennen zu können, wurde vorsorglich zugedeckt, auch wenn die Begründung dafür manchmal recht kläglich erschien!“ Die Dresdner Bank hat vorläufig keine Betriebsprüfung zu erwarten ...