Während bei fast allen deutschen Kreditinstituten die herausgelegten Kredite im Jahre 1960 mehr gestiegen sind als die Einlagen, und infolgedessen Liquiditätsreserven mobilisiert werden mußten, um die höheren Mindestreserven halten und gleichzeitig die Kundenwünsche befriedigen zu können, ist die Entwicklung bei den nordwestdeutschen Volksbanken gerade umgekehrt verlaufen. Die Zentralkasse nordwestdeutscher Volksbanken eGmbH, Hannover-Hamburg, hebt hervor, daß bei den von ihr kreditwirtschaftlich betreuten 200 Volksbanken und sonstigen Kreditgenossenschaften Norwestdeutschlands der Einlagenzuwachs im Jahre 1960 die herausgelegten Kredite überstieg. Die Gesamteinlagen dieser Volksbanken erhöhten sich um 16 vH auf 1126 Mill. DM; sie bestehen zu 65 vH aus Spareinlagen, die wiederum um 19 vH überdurchschnittlich anwuchsen. Das Gesamtkreditvolumen ist dagegen auf 937,7 Mill. ausgeweitet, das entspricht einer Zunahme von 146 Mill., während die Gesamteinlagen um 155 Mill. gestiegen sind.

Das Vorstandsmitglied der Zentralkasse, Eduard Petzold, betonte, daß auch die Volksbanken jeden vertretbaren Kreditwunsch der Kundschaft erfüllt haben. Groß war die Nachfrage nach langfristigen Krediten. Hier sind offenbar noch Wünsche offengeblieben. Immerhin ist im Gesamtkreditvolumen ein erneut vergrößerter Anteil nicht refinanzierter langfristiger Kredite enthalten, der jetzt über 20 vH des von den Volksbanken verwalteten Spareinlagenbestandes hinausgeht. Auch die Volksbanken klagen über die Belastungen, die sich aus der Mindestreserveverpflichtung von 121 Mill. DM ergeben haben. Die Volksbanken pflegen traditionell vornehmlich das Einlagen- und Kreditgeschäft und erschließen sich nicht im gleichen Maße wie andere Geschäftsbanken im Besorgungsgeschäft zusätzliche Einnahmequellen. Dennoch war die Rentabilität bei den Volksbanken 1960 befriedigend. Teilweise hat die Zentralkasse durch die Einräumung besonders günstiger Konditionen in dieser Beziehung Hilfestellung geleistet.

Bei der Zentralkasse dürften die Gewinne nicht ganz an die des Vorjahres heranreichen, denn bei den Steuern ist eine leichte Minderung festzustellen. Den offenen Rücklagen wurden 1 (2) Mill. DM zugewiesen, so daß den Geschäftsguthaben von 7,2 Mill. DM (vergleichbar mit dem Grundkapital) nunmehr 12 Mill. DM Reserven zur Seite stehen. Der Reingewinn wurde wieder auf eine aus der genossenschaftlichen Zielsetzung zu verstehende Dividende von 4 vH bemessen.

In der Bilanz der Zentralkasse zeigen sich deutliche Auswirkungen der restriktiven Kreditpolitik. Also Einlagenschwund, geminderte Wertpapierbestände, ausgeweitete Debitoren, rückläufige Guthaben bei anderen Kreditinstituten. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn die Bilanzsumme nur um rund 4,5 Mill. DM auf 278 Mill. DM stieg. –dt