Anion Romako (1834-1889)

Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa

Das sind die Seehelden, wie sie sein sollten! Das Flaggschiff „Max Ferdinand“ der k. u. k. Marine rammt in diesem Augenblick das feindliche Panzerschiff „Re d’Italia“. Sogleich wird der im Bilde nicht sichtbare (jedoch historische) Steuermann Karcovich hervorspringen, die feindliche Fahne rauben und sie unter allgemeinem Jubel auf dem eigenen Schiff befestigen. Personenschaden ist, Gott sei Dank, nicht zu beklagen, denn die gerade explodierende Granate scheint niemanden zu verletzen. Vivat Austria! Die Szene spielt sich bei Lissa auf dem Adriatischen Meere ab, am 20. Juli 1866.

Für ein derart schwieriges Thema ist das Bild eine bedeutende malerische Leistung, hervorragend in der Komposition und für ein Historienbild bemerkenswert ungeniert. Es ist nicht ganz klar, was Romako eigentlich von seinem Helden dachte. Wahrscheinlich hat ihm dieser triumphale Moment nicht ganz seinen Verstand geraubt. Vielleicht ist deshalb in dem Bild ein starkes ziviles Moment unverkennbar.

Zwar hat der Künstler sehr gut zum Ausdruck gebracht, daß sich die niederen Chargen aus verschiedenen Gründen im Gefecht mehr aufregen als ihre Vorgesetzten, aber diese selbst treiben es doch noch gemütlicher als gewöhnlich. Wenn man sich die feurigen Matrosen wegdenkt, könnte man das Gemälde „überraschte Akzisebeamte im Nebel“ nennen. Der Marktfahrer ist gerade im Galopp entwischt und hat sie um die Steuer geprellt. Der Chef erlaubt sich daraufhin keine große Gemütsbewegung, er bleibt ganz kaltblütig, runzelt die Braue bedeutend und steckt die Hände in die Hosentaschen. Wer weiß, was er sinnt?

Der Gehilfe links, Max Daublebsky von Sterneck, zieht halt indigniert ein wenig den Säbel, phlegmatisch hebt Ritter von Lindner den Feldstecher, während Ferdinand Attlmayr (ein Tiroler?) nur dumm-erstaunt in die Sachlage hineinblickt. Wie man sieht, kann sich ein friedfertiger Mensch dieses heroische Gemälde durchaus leisten, insbesondere, wenn man bedenkt, daß es sich obendrein um ganz vergebliche Helden handelt.

Die Schlacht von Königgrätz ist erst vor zwei Wochen gewesen, und wahrscheinlich weiß unser jugendlicher Konteradmiral (39 Jahre, beginnende Glatze, Kaiserbart) noch nichts Gewisses von den teuflischen preußischen Eisenbahnfachleuten und Zündnadelgewehren. Die Italiener haben unter solchen Umständen leicht Seeschlacht verlieren. Sie werden Venedig trotzdem bekommen, übrigens ganz zu Recht.