Die Deutsche Pfandbriefanstalt, Körperschaft des öffentlichen Rechts, steht unter Aufsicht des Bundes. Ihr ist die Aufgabe gestellt, Kredite zu günstigen Bedingungen dem Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Dabei soll sie nicht auf ihren eigenen Gewinn schauen. Die zur Ausleihung erforderlichen Mittel beschafft sich das Institut durch Ausgabe von Pfandbriefen und Kommunalschuldverschreibungen. Der Gesamtbetrag ihrer in Umlauf befindlichen Schuldverschreibungen beträgt gut 1,5 Mrd. DM. Etwa zwei Drittel hiervon fallen auf Hypothekenpfandbriefe und ein Drittel auf Kommunalschuldverschreibungen, Im vergangenen Jahr hat sich der Umlauf um etwa 200 Mill. DM erhöht.

Mit diesen ansehnlichen Beträgen nimmt die Deutsche Pfandbriefanstalt eine führende Stellung am Rentenmarkt ein. Von jeher befleißigt sie sich einer dynamischen Politik; immer wieder gibt sie den Anstoß für neue Entwicklungen. So ist sie erst in diesen Tagen wieder als erstes Institut mit einer Neuemission von 5 1/2prozentigen Pfandbriefen an den Markt getreten; sie hat damit bekundet, daß ihrer Vorstellung nach die Zeit des 6prozentigen Typs abgelaufen ist.

Die Pfandbriefanstalt hat auch von ihrem satzungsmäßigen Recht, auch ohne Ausgabe von Wertschriften, langfristige Darlehen aufzunehmen, Gebrauch gemacht. In ihrer Bilanz 1960 befindet sich ein entsprechender Posten in Höhe von 560 Mill. DM. Er ist um etwa 50 Mill. DM geringer als im Jahr zuvor. Die 7c-Darlehen, die in der zurückliegenden Zeit eine größere Bedeutung hatten, verschwinden jetzt allmählich. Sie werden entweder zurückbezahlt oder in langfristige Darlehen umgewandelt.

Alles in allem verfügt die Pfandbriefanstalt über mehr als 2 Mrd. DM an langfristigen Mitteln, von denen sie etwa 1,8 Mrd. DM langfristig, vor allem als Hypotheken- oder Kommunaldarlehen, herausgelegt hat. Ihre liquiden Mittel in der Form von Guthaben bei Kreditinstituten – sind mit 238 Mill. DM bedeutend. Die Höhe dieses Postens erklärt sich insbesondere daraus, daß zwischen der Aufnahme von langfristigen Mitteln, der Zusage von Hypotheken und der Auszahlung der Gelder heute eine erhebliche Zeitspanne liegt. Der langsame Baufortschritt und die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Grundstücken machen sich bemerkbar.

Für die Realkreditinstitute ergibt sich als Sonderproblem die Anpassung der Beleihungshöhe an die veränderten Verhältnisse. Die zur Zeit noch üblichen Formen der Objektbewertung sind überholt, sie müssen modernisiert werden. Aber wie soll das geschehen? Für eine Bewertung ist letzten Endes der für die Dauer als gesichert erscheinende Ertragswert maßgebend. Ihn aber kann niemand vorausschauend bestimmen, solange sich nicht die zukünftige Entwicklung der Mieten einigermaßen deutlich überblicken läßt. Die Pfandbriefanstalt schreibt hierzu, daß, solange die Kosten und die Preisentwicklung der lettzen Jahre nicht zur Ruhe gekommen sind, es an einer wesentlichen Grundlage für eine Dauerbewertung fehlt. Praktisch besagt dies, daß für die Finanzierung vorerst keine sehr großzügige Anhebung der Beleihungswerte erwartet werden kann.

Solche Feststellungen sind für eine Anstalt, die den langfristigen Kredit pflegt, typisch. Sie vermag fremdes, von ihr aufgenommenes Geld nur in dem Rahmen wieder auszuleihen, in dem sie von einer Konstanz der Verhältnisse überzeugt ist. Hektische Ausschläge nach oben und unten stören, und zwar nicht nur bei dem Aktiva-, sondern vor allem auch bei dem Passivageschäft, das von Kurs- und Zinsschwankungen beeinflußt wird; letzten Endes ist dies die Folge der kreditpolitischen Maßnahmen.

Während Wirtschaft und Fiskus sich weitgehend unabhängig von den Auswirkungen der Kreditpolitik machen konnten, wird der Kapitalmarkt heftig betroffen. Die von der Notenbank manipulierte Bankenliquidität hatte zur Folge, daß zum Beispiel 1958 von den Kreditinstituten 4,9 Mrd. DM an Wertpapieren aufgenommen wurden, während es im Restriktionsjahr 1960 nur noch 0,4 Mrd. DM waren. Die Folge dieser Marktausweitung und Verengung sind Zins- und vor allem Kursschwankungen, die in einer Zeitspanne von etwa einem Jahr bis zu 10 vH ausmachten. Das erleichterte den Absatz von Rentenwerten nicht. W. R.