Ein Modell fehlt in allen Zinnsoldatenkästen: es sind das die Gefallenen. – Gilbert Cesbron

Verbotene Früchte

Der diesjährige Träger des vom amerikanischen Verlegerverband vergebenen Nationalen Buchpreises, Randall Jarrell, kann sich persönlich über mangelnden Publikumserfolg seiner Poesie nicht beklagen; trotzdem hat auch er sich Gedanken darüber gemacht, wie man den Lesern Gedichte noch schmackhafter machen könnte. Es hätte, wie die bisherige Erfahrung zeigt, nicht viel Sinn, immer wieder an das bessere Ich und die kulturelle Verpflichtung zu appellieren, erklärte er bei der Preisverleihungszeremonie. Eine wirkliche Renaissance würde die Lyrik in der modernen Welt erst dann erleben, wenn man dem Publikum beibrächte, das Interesse für Poesie sei nicht tugendhaft, sondern ein gefährliches Laster.

Gestutzter Musil

Das Pariser „Théâtre moderne“ spielt gegenwärtig das 1921 entstandene Theaterstück „Die Schwärmer“ von Robert Musil, der davon überzeugt war, daß nur die Franzosen fähig seien, ihn zu verstehen. Die Pariser ihrerseits finden, daß sich das Stück mit seinen Proustschen und teilweise surrealistischen Passagen durch seine Poesie und sprachliche Farbigkeit vorteilhaft von der „manière grise“ seiner großen Romane unterscheidet. Allerdings hat Sacha Pitoëff, dem Paris diese Aufführung dankt, fleißig die Schere benutzt, um dem Stück „normale Dimensionen“ zu verleihen.

Vom ‚Fidelio‘ bis zur ‚Missa solemnis‘

Vom 16. September bis zum 2. Oktober wird das „23. Bonner Beethovenfest“ veranstaltet. Es wirken mit: das „Haager Residentie-Orkestr“ unter Willem van Otterloo, die „Zagreber Philharmoniker“ unter Milan Horvat, das „Trio di Trieste“ und das „Vegh-Orchester“. Als Gastdirigent wird auch Eugen Jochum (München) teilnehmen.