Die der Dresdner Bank nahestehende Deutsch-Südamerikanische Bank AG, Hamburg, deren Aktien nicht an der Börse zu handeln sind, ist nach dem Kriege einen anderen Weg gegangen als die Dt. Überseeische Bank (zu 52 vH bei der Deutschen Bank.) Während die Dt. Übersee-Bank in Argentinien eine Filiale errichtet hat, gründete die Deutsch-Südamerikanische Bank in Lateinamerika Tochtergesellschaften, deren Bilanzen sich natürlich nicht in dem Zahlenwerk der Muttergesellschaft niederschlagen, so daß man über deren Geschäftserfolg (in Zahlen ausgedrückt) nichts kennt. Im Geschäftsbericht heißt es dazu, daß die Tochtergesellschaft, die „Cotinco Companhia de Oranizacao Técnica, Industrial e Comercial“, Sao Paulo (mit Filiale in Rio de Janeiro), welche die Interessen deutscher Unternehmen in Brasilien auf dem Investitionssektor wahrnimmt, sich einer verstärkten Inanspruchnahme erfreute. Eine Erweiterung der Auslandsorganisation der Bank erfolgte durch die im Mai 1960 in Argentinien erfolgte Gründung der Finanzierungsgesellschaft „Crédito Argentino Germanico Sociedad Anonima Financiera Comercial e Industrial“, Buenos Aires.

Das Geschäft der Deutsch-Südamerikanischen Bank nahm nach Meinung der Verwaltung 1960 einen befriedigenden Verlauf. Es wurde auf das 10 Mill. DM betragende Grundkapital wieder eine Dividende von 6 vH ausgeschüttet. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 8 vH auf rund 137 Millionen DM. Eine erfreuliche Ausweitung erfuhr das Kreditgeschäft, und zwar insbesondere mit Banken und Firmen in Übersee.

Aus einem Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas wird ersichtlich, daß in verschiedenen Ländern Lateinamerikas 1960 die Importe höher als im Vorjahr waren, was auf teilweise Lockerung der 1959 erlassenen Importrestriktionen sowie auf das Anwachsen der Kreditgewährungen und die Verlagerung auf längere Zahlungsfristen zurückzuführen ist. Da der Wert der Ausfuhr nicht ausreichend gesteigert werden konnte, zeichnete sich schon im Verlauf des Jahres 1960 in einigen Ländern die Gefahr einer übermäßigen, d. h. durch Exporterlöse nicht ausreichend gedeckten Einfuhrzunahme aus.

Die Bank weist ferner auf die Dringlichkeit der Einbeziehung Lateinamerikas in die Entwicklungspolitik der Bundesrepublik hin, wie ebenfalls darauf, daß sich das Drängen der lateinamerikanischen Kaffeeproduktionsländer auf Senkung bzw. Aufhebung der deutschen Verbrauchssteuer im Berichtsjahr verstärkrt hat. kn