In fünf Instanzen kämpftie die unterfränkische Regierung gegen ihren Landrat

v. L., Bamberg

Die verbissene Hartnäckigkeit, mit der die Regierung von Unterfranken Dr. Karl Grunewald, verfolgt, wird allmählich eine recht kostspielige Angelegenheit.

Grünewald, heute 50 Jahre, Volljurist und Volkswirtschaftler, schloß sich nach dem Kriege der Bayernpartei an und wurde zum Oberbürgermeister von Würzburg gewählt. Wenig später fand seine Laufbahn als Kommunalpolitiker ein vorläufiges Ende, weil, wie Grünewald sagt, der unterlegene Gegenkandidat sich hinter die Amerikaner steckte. Ein Entnazifizierungsverfahren wurde aufgerollt, das zwar mit dem Bescheid endete „vom Gesetz nicht betroffen“, aber da hatte Würzburg schon einen anderen Oberbürgermeister und Grünewald organisierte Wohnungsbaugenossenschaften.

Die Prozeß-Serie

1952 landete er vor Gericht. Nach dreiwöchiger Verhandlung blieben von einer ganzen Serie von Delikten, deren man ihn beschuldigt hatte, vier Vergehen der Untreue übrig. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Revision jedoch endete mit einem vollen Erfolg für ihn. „Dr. Grünewald“, wurde ihm schließlich bescheinigt, „hatte unwiderlegbar nur die Behebung der katastrophalen Wohnungsnot in Würzburg im Auge. Irgendwelche selbstsüchtigen Ziele verfolgte er nicht.“

Grünewald, der zum zweitenmal um seine Existenz gebracht war, gründete unverdrossen eine dritte. Er kandidierte für die Bayernpartei zum Landrat von Königshofen und wurde im Januar 1953 mit 69 vH aller Stimmen gewählt. Bis 1958 siedelte er in seinem Kreis etliche Unternehmen an, schuf damit 500 neue Arbeitsplätze, ließ 455 Wohnungen bauen, drei Dorfgemeinschaftshäuser und neun Schulen, außerdem Straßen für zwei Millionen Mark.