Minister Stains seltsame Theorien

Der bayerische Arbeitsminister Walter Stain, prominentes Mitglied der Gesamtdeutschen Partei, ist der Ansicht, es sei die Schuld der Alliierten, daß sich Hitler in Deutschland durchsetzenkonnte. „Schließlich hatte der ungerechte Friede von 1918“, so schrieb er in der Zeitschrift „Der, Europäische Osten“, „der Bruch des Selbstbestimmungsrechtes in den Grenzgebieten Deutschlands und die wirtschaftliche Ausbeutung des Deutschen Reiches von damals zu jener Arbeitslosigkeit geführt, die es Hitler dann ermöglichte, mit seiner; Partei an die Macht zu kommen.“

Von der Schuld der Deutschen schweigt Stain, aber er fragt: „Sollte es ... nicht unser Recht sein, in Erinnerung an die Folgen der ungerechten Behandlung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg vor Auswirkungen zu warnen, die nach dem Unrecht von 1945 entstehen könnten?“

Damals also Hitler. Und heute? Ein Mann von ähnlich finsterer Genialität fehlt. Was aber den Wortschatz anlangt, so kommt Walter Stain dem „Führer des Großdeutschen Reiches“ recht nahe. Auf einem Delegiertentag des Bundes der Vertriebenen in Würzburg erklärte der bayerische Staatsminister kürzlich: „Wir dürfen nicht vergessen, daß Deutschland wieder mehr Lebensraum finden kann bei Nachbarn, die diesen Raum nicht brauchen und ihn mit Sklavenarbeitern für ihre Kolchosen besetzt halten.“

Vom Recht zu warnen spricht Stain. In der Tati Vor Leuten mit solchem Vokabular muß gewarnt werden. R. Z.