Der Tegernsee mit seinen lieblichen Ufern, den Wiesenhängen, den Wäldern und der Bergkulisse gehört zu den bevorzugten Reisezielen in Oberbayern, obwohl es ein Wetterloch im Voralpenland ist. „Lago di Bonzo“ hieß er – hier siedelten Himmler, Amann und noch andere. Aber dafür konnten die anderen Seebewohner nichts. Die Berühmtheiten aus dem Reich der Kunst, die hier lebten und in Rottach-Egern begraben sind, Ganghofer und Ludwig Thoma, haben ihnen mehr Ruhm eingebracht. Auch Gulbransson war einer der ihren.

Eine Reihe von Sanatorien säumt den See: Westerhof oberhalb Tegernsee, Jägerwinkel in Wiessee und etwas weiter Wildbad Kreuth. Berühmte Hotels, Restaurants, Cafés erwarten den Gast. Bodenständig, aber für Verwöhnte: „Bachmair am See“ in Rottach-Egern, Hotel „Eybhof“, nach letzter Mode eingerichtet, Hotel Guggemos, Leeberghof, die alte Post, Hotel und Café Jaedicke in Tegernsee. Gegenüber in Bad Wiessee Café „Königslinde“, die Waldschenke, Tanneck-Furtwängler, „Gut Kaltenbronn“ u. a. Trotz des Touristenstromes hat sich die oberbayrische Eigenart erhalten. Das manifestiert sich nicht nur in kleinen Kneipen und Bierstuben, sondern auch in dem von Fremden besuchten „Lieberhof“ (Tegernsee) und der „Post“ (Wiessee). Und auch wenn im Winter keine Fremden da sind, spielt das einheimische Bayerntheater Ganghofers „Jäger von Fall“. Neuerdings sind in Gmund und Tegernsee Siedlungen entstanden mit Eigentumswohnungen, deren Preise der Begehrtheit des Sees entsprechen. Oberhalb der Parkwohnanlage in Gmund wohnen mit dem schönsten Blick auf den See der Wirtschaftsminister Erhard und sein Architekt Sepp Ruf, Präsident der Akademie der Künste, in „Häusern im Garagenstil“, wie die Oberbayern am Tegernsee die neue Bauweise geringschätzig nennen. Drunten im Ort, in einem Haus mit dem weit überhängenden Dach im oberbayrischen Stil, geht der Kunsthistoriker Werner Haftmann seinen Gedanken über die Kunst unserer Zeit nach,

Der Hausberg des Tegernsees (1700 Meter hoch), mit der Seilbahn leicht zu erreichen: der Wallberg 1200 Meter hoch und nur zu Fuß zu erklimmen: Die Neureuth. Hier oben ist noch Einsamkeit, obwohl es überrascht, wieviel Wanderer es noch gibt, die Strapazen auf sich nehmen. E.