Zu seinem 80. Geburtstag am 27. Mai

Von Franz Ernst

Hofmannsthal nannte 1926 in seiner Antwort auf die Frage „Verkannte Dichter unter uns?“ auch Rudolf Pannwitz und sprach von einem „grandiosen Verkanntsein“. Wie steht es heute um die Anerkennung von Pannwitz?

Seit einigen Jahren liegen Veröffentlichungen von Briefen Hofmannsthals vor, aus denen hervorgeht, daß Pannwitz einen ungeheuren Eindruck auf ihn machte. Wer von denen, die diese Briefe lasen und wenig oder gar nichts von Pannwitz kannten, hat sich dann aber mit seinem Werk befaßt?

Pannwitz ist nicht leicht zu lesen, und der Umkreis seines Werkes ist sehr weit. Es enthält, mit Hofmannsthal gesprochen, unabsehbare Kreise von Dichtungen und Gedankenketten, ganze Ketten von Ringen.

In seiner Dichtung ging und geht es ihm nicht um das Aussprechen subjektiver Empfindungen, sondern um die Aneignung alter und neuer Welten. So erzählt die erste seiner „Mythen“, „Das Lied vom Elen“, in Anlehnung an Ahnungen und Forschungen des Historikers Kurt Breysig von dem Glauben urzeitlicher Stämme.

Bei der achten und neunten seiner „Mythen“, „Das namenlose Werk“ und „Der Gott“, handelt es sich, wieder mit Hofmannsthal gesprochen, um wunderbare Europäisierungen und Humanisierungen des Orients.