Lehren aus dem Rohrbach-Prozeß: Mehr Rechte für den Verteidiger

Münster

Vor den Türen ihres Seminars – im benachbarten Landgericht – können die Jurastudenten der Universität Münster in diesen Tagen einen Prozeß erleben, den spätere Studentengenerationen mit Sicherheit in ihren Lehrbüchern wiederfinden werden. Das Verfahren, das vor dem Schwurgericht Münster nun schon seit Wochen gegen die einunddreißigjährige Maria Rohrbach geführt wird und dessen Ende noch nicht abzusehen ist, berührt beinahe alle Probleme des deutschen Strafrechts.

Am 11. April 1957 war in Münster der Anstreichergeselle Hermann Rohrbach ermordet worden. Zwei Tage später verhaftete die Kriminalpolizei die Ehefrau Rohrbach unter dem dringenden Verdacht, ihren Mann umgebracht zu haben. Nach einjähriger Untersuchungshaft kam es zum Prozeß, der mit der Verurteilung wegen Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus endete. Bis zur letzten Minute hatte Maria Rohrbach ihre Unschuld beteuert.

Das Urteil ging von folgendem Tatbestand aus: Maria Rohrbach hat zunächst versucht, ihren Mann zu vergiften und ihn dann, als das Gift zu langsam wirkte, erschlagen. Leichenteile wurden im Küchenherd verbrannt. Als Motiv wurde angenommen, Maria Rohrbach habe ihren abartig veranlagten älteren Mann los werden wollen, weil sie andere Liebhaber hatte.

Zeugen der Anklage

Zu diesem Schluß kam das Schwurgericht durch Zeugenaussagen und durch Gutachten von Sachverständigen. Zeugen traten auf, die ein düsteres Bild der ehelichen Verhältnisse zeichneten, und die Sachverständigen fanden in den Leichenteilen große Mengen von Thallium – eine Substanz, die vor allem bei Rattengift verwendet wird. Thallium wurde auch im Ruß des Küchenherdes in der Rohrbachschen Wohnung entdeckt. Das Schwurgericht hatte keine Zweifel, das richtige Urteil gesprochen zu haben.