Eigentlich müßte es hamburgisch heißen: "Tschüß, Meteor", denn derart wurde der französische Abschiedsgruß hanseatisch eingedeutscht. Als der gewaltige Holsteiner Wallach mit seinem Reiter Fritz Thiedemann jetzt zum letzten Male über die 17 schweren Hindernisse beim deutschen Springderby in Hamburg-Flottbek ging, herrschte atemlose Stille. Nur der dumpfe Aufschlag der Hufe und manchmal ein leiser Zuspruch des Reiters waren zu hören. Da riß beim Aufsprung auf den kleinen Wall ein Seitenriemen des Kopfzeuges von "Meteor". Thiedemann konnte nun das Tempo des 14 Zentner schweren Pferdes kaum noch regulieren. Doch unterlief "Meteor" nur ein einziger Fehler. Das an Zahl der Siege erfolgreichste deutsche Springpferd schied damit jedoch bei seinem letzten Derbyritt für das Stechen aus.

Der mächtige "Meteor", der eher einem Schlachtenroß aus den Türkenkriegen als einem Springpferd gleicht, hat 150 Siege mit Fritz Thiedemann errungen. Und doch blieb ihm der allerletzte Erfolg versagt. Der Einzel-Olympiasieg nämlich. 1952 in Helsinki war er die letzte deutsche Hoffnung auf eine Goldmedaille. Er führte morgens nach dem ersten Durchgang, und nachmittags sprang er den Wassergraben nur eine Handbreit zu kurz. Aus – vorbei. Es reichte nur noch zur Bronzemedaille. 1956 in Stockholm beim Reiter-Olympia gelang Winkler verletzt und schmerzverzerrt auf Halla der große Ritt. Thiedemann und sein Meteor waren aber bei der siegreichen deutschen Mannschaft genau wie 1960 in Rom.

Die Springpferde sind ja im Gegensatz zu den Rennpferden oft schon betagt. Daß aber ein 18jähriges Pferd noch zur Weltklasse gehört wie "Meteor", dürfte ziemlich einmalig sein.

Mit "Meteor" verschwindet ein Pferd von den Parcours, das schon zu Lebzeiten zu einem Symbol wurde. Schon jetzt hat man ihm in Kiel ein Denkmal errichtet. Und noch mehr wird man den sympathischen Reiter Fritz Thiedemann vermissen, der in Rom bei den Olympischen Spielen die deutsche Fahne trug. Vielleicht verschiebt der Elmshorneri Landwirt doch noch einmal seinen zum Jahresende angekündigten Rücktritt. Deshalb wollen wir nur rufen: "Adieu, Meteor." -er