G. Z., Frankfurt

Eine Aufgabe, über die sich seit Jahren Bauexperten und Kommunalpolitiker vergeblich den Kopf zerbrechen, soll nun von „Schülern vom 13. Lebensjahr an“ gelöst werden: die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in der Main-Metropole Frankfurt. Dreihundert Mark winken als erster Preis dem jugendlichen Amateur, dem es gelingen sollte, brauchbare Vorschläge zu machen.

Zur gleichen Zeit, da die Jung-Frankfurter zur Mitarbeit aufgerufen wurden, waren allerdings schon die ersten Exemplare eines Gutachtens unterwegs, das eine Arbeitsgemeinschaft namhafter Tiefbau-Unternehmungen zusammen mit dem Verkehrsexperten, Professor Leibbrand von der Technischen Hochschule Zürich ausgearbeitet hatte. Bei der „weg-weisenden Entscheidung“, die das Frankfurter Stadtparlament noch vor den Sommerferien treffen will, wollte man sich anscheinend doch nicht allein auf die Phantasie der Schuljugend verlassen. Auf jeden Fall tritt am 4. Juli das Stadtparlament zu einer Sondersitzung zusammen, in der die „planerische Gesamtübersicht“ und auch das Thema „Alwegnetz, Tiefbahn oder U-Bahn“ abgehandelt werden soll.

Anfang dieser Woche wurde die zweibändige „planerische Gesamtübersicht“ für die „Stadtbahn Frankfurt“ in 700 Exemplaren im Rathaus abgeladen, so daß die Stadtparlamentarier jetzt noch knapp vier Wochen Zeit haben, um sich auf die „Schicksalssitzung“ vorzubereiten. Sie werden sich Sonderurlaub nehmen müssen, um dieses Mammutgutachten durchzuarbeiten.

Entscheiden muß die Stadtverordnetenversammlung darüber, ob in Zukunft die Frankfurter in den Kabinen einer Alwegbahn, im U-Bahnwagen oder in der vertrauten Straßenbahn – allerdings unter der Erde – durch ihre Stadt fahren werden. Zunächst wird man die Kosten prüfen, die die Fachleute für jede der drei Verkehrslösungen errechnet haben. Auf 529 Millionen Mark kommt man bei der Alwegbahn mit einer 58 Kilometer langen Hochstrecke und rund fünf Kilometern – im Stadtzentrum – unter der Erde. Die Verlegung der Straßenbahn unter die Erde und der Ausbau des Netzes auf besonderen Bahnkörpern kostet bei 74 Kilometern „im Freien“ und 21 Kilometern Tunnelstrecke 499 Millionen Mark. Für eine Frankfurter Untergrundbahn mit 38 Kilometern Tunnelfahrt und 24 Kilometern über der Erde würde man 858 Millionen Mark aufwenden müssen.

In diesen Beträgen sind allerdings nicht die Kosten für den Fahrzeugpark enthalten. Beim Alweg-Projekt müßten 145 Dreiwagenzüge und 70 Zweiwagenzüge angeschafft werden. Kostenpunkt: 140 Millionen. Für U-Bahn-Züge wurden 110 Millionen errechnet und für die Ergänzung des Fahrzeugparks der Straßenbahn 70 Millionen. Die U-Bahn würde also die Frankfurter am teuersten kommen, an zweiter Stelle rangiert die Alwegbahn, und am „billigsten“ ist nach den Berechnungen des Gutachters die Unterpflasterbahn. Ihr billigen die Experten auch noch andere Vorzüge zu: Der Zusammenhang des Straßenbahnnetzes wird nicht zerrissen und schon kleine Abschnitte bringen bereits Erleichterungen, da die Straßenbahn „stückweise“ unter der Erde verschwindet. Die Bauverwaltung hat denn auch schon eine Vorlage für den Magistrat ausgearbeitet, die sich auf den ersten Bauabschnitt einer Unterpflasterbahn bezieht.