DIE ZEIT

17. Juni

Die waffenlosen Arbeiter, die mit den Fäusten gegen Panzer vorgehen; die Züge entschlossener Menschen, die durch das Brandenburger Tor strömen, in das andere Deutschland hinein; die bleichen und gefaßten Gesichter derer, die wenige Tage später vor ihren Richtern und Henkern stehen; sie alle sind schon eingegangen in die Geschichte.

Pause in Evian

In Evian wurden die Verhandlungen zwischen der französischen Regierung und dem FLN unterbrochen – wie es heißt: auf unbestimmte Zeit.

Nichts sehen? Nichts hören?

Kalt und hart wie seine Sprache in Wien, so ist auch der Ton, den Nikita Chruschtschow in seinem jüngsten Berlin-Memorandum anschlägt.

Vizekanzler Krone?

Lange schon spricht man in Bonn davon, daß der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU im Bundestag, Dr. Heinrich Krone, nach einem vierten Wahlsieg seiner Partei ein Ministeramt übernehmen soll.

Zeitspiegel

„Ich habe lieber eine handfeste Verschärfung der internationalen Auseinandersetzung um Berlin, lieber eine Krise, die zur Gesundheit führt, als die schleichende Krankheit der Stagnation und als ein Belassen des Status quo, der die Aktualisierung der deutschen Frage hinausschiebt“.

Goldene Kugeln rollen für den Sieg

Nun lächelt Erhard wieder freundlich und optimistisch, wie eh und je, von hübschen Zeitungsanzeigen – jenes Lächeln des Siegers über Not, Konfusion und eng geschnallte Gürtel, das ihn nach einer neuen Geheim-Umfrage der Meinungsforscher zum derzeit populärsten Mann der Bundesrepublik gemacht hat – populärer noch als Adenauer und Brandt (die übrigens gar nicht Weit auseinander liegen).

Des deutschen Soldaten Zeitung?

Ist die „Deutsche Soldatenzeitung“ wirklich, worauf sie Anspruch erhebt: des deutschen Soldaten Zeitung? Zwar fühlten sich einige ältere Herren von ihr angesprochen.

Ehescheidungsreform im Sturmschritt

Als Eugen Gerstenmaier auf der Hamburger Tagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU mit großer Offenherzigkeit davon sprach, daß die Bundesrepublik ein säkularisierter (und nicht ein christlicher) Staat sei, daß das Christentum aber das Gewissen eines Politikers der CDU/CSU darstelle und daß ein vertrauensvolles Zusammenwirken der Angehörigen beider großer Konfessionen gewährleistet sein müsse, fand er lebhaften Beifall.

Wiens höchster Diplomat

Sein Arbeitszimmer ist ein Saal, ein weites, helles Eckzimmer im zweiten Stock des ehrwürdigen Barockgebäudes, dessen Anschrift noch heute jeden Adressensnob in Verzückung bringt: Wien I, Ballhausplatz 2.

Der Kartoffelkrieg

Auch in diesem Frühjahr haben die bretonischen Bauern sich zu einer Miniatur-Revolution hinreißen lassen: Voriges Jahr ging es um Artischocken und Blumenkohl, diesmal um Kartoffeln.

Auch in Israel herrschte zuviel Schweigen

Robert Pendorf berichtet in diesem Artikel nicht aus dem Gerichtssaal in Jerusalem. Nachdem er wochenlang in Dutzenden von Sitzungen den Fortgang des Prozesses beobachtet und für uns aufgezeichnet hat, ist er vor kurzem nach Deutschland zurückgekehrt.

Wie Bonn es sieht

Die Bundesregierung wird wohl als erste eine Antwort auf das sowjetische Memorandum geben. Und zwar deshalb, weil sie noch das Moskauer Memorandum vom 17.

Geschichtsminiaturen um François-Poncet

André François-Poncet, einst Frankreichs Botschafter in Berlin und nach dem Kriege in Bonn, der heute im gepflegten, aber arbeitsamen Ruhestand Leitartikel für den Pariser „Figaro“ schreibt, zählte zu den witzigsten Diplomaten unserer Zeit.

Zonenzeitungen über Zonenprozesse

In Schwerin, einer Stadt von fast 100 000 Einwohnern, erscheinen drei Tageszeitungen: die SED-eigene Schweriner Volkszeitung, der von der Ost-CDU herausgegebene Demokrat und das LDP-Blatt Norddeutsche Zeitung.

Ernüchterung an der Themse

Schon vor der Veröffentlichung des sowjetischen Berlin-Memorandums haben sich die Briten keine Illusionen mehr gemacht. In tiefer Enttäuschung gestanden sie nach dem Wiener Zweiergipfel ein, daß eine neue und ernste Berlin-Krise beinahe unausweichlich sei.

Hamburg: Der Turmbau von Hamburg

Darum ist es verständlich, wenn die Leute „anläßlich“ einer Ausstellung auch etwas erbauen möchten, das noch spätere Generationen erbaut.

Strafzettel auf Luftstraßen

Einen neuen Verkehrs-Überwachungsdienst hat die kleine Stadt Neu-Isenburg am Rande des Rhein-Main-Flughafens jetzt eingeführt: Seit einigen Tagen hockt auf dem Rathaus ein mit gutem Trommelfell, Fernglas und Notizblock ausgerüsteter Polizeibeamter und notiert Nummer und Typ jeder Düsenmaschine, die das Stadtgebiet überfliegt.

Urteile, die erschrecken

Die Plakate für die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ in Hamburg mußten im letzten Augenblick geändert werden. Die „Katholische Studentengemeinde“, die zunächst als Mitveranstalter aufgetreten war, hatte ihre Zusage wieder zurückgezogen.

Wie uns die Sowjets sehen

Im Laufe meiner Reise durch die Sowjetunion habe ich mir vor allem ein Bild zu machen gesucht: das Bild, das die Russen sich von uns machen.

Warum wird Brecht gespielt?

Viel zu einfach ist das Kunststückchen, mit dem auch noch die bessere Gesellschaft versucht, sich trotz aller politischen Gegnerschaft das Vergnügen Brecht leisten zu können: man spaltet.

Die Architekten und die Zukunft

In München hielt der BDA (Bund Deutscher Architekten) seinen „39. Ordentlichen Bundestag“ ab unter dem Motto: „Der Architekt – heute und morgen“.

Zeitmosaik

Der sowjetische Komponistenverband hat Igor Strawinski; eingeladen, seinen 80. Geburtstag in der Sowjetunion zu feiern. Strawinskij, der am 18.

Mondsucht

Die Psychoanalyse hat. herausgefunden, daß frühe Kindheitserlebnisse einen starken Einfluß auf das spätere Leben ausüben. Das habe ich über die Psychoanalyse herausgefunden, nachdem mein Leibarzt behauptet hat, mir sei allenfalls noch zu helfen, wenn man sich mit meiner Seele beschäftigte.

Mit der Bratsche über den Atlantik

Es war A. E. Johann, der mich auf den „Musikalischen Frühling“ aufmerksam machte. Aus Indonesien heimgekehrt, hatte er irgendeine tropische Krankheit, die dort durch Sonnen- und Ärgereinwirkung wiederaufgeflammt war, zunächst in einem süddeutschen Sanatorium bekämpft und war dann zur Nachkur nach Salzburg gefahren.

Damals noch bekämpft

„Laßt euch nicht als Schlußlicht mißbrauchen“, rief Helmut Thielicke, der Rektor der Universität Tübingen, vor einigen Tagen seinen Studenten zu.

Mein Bild

Die Beantwortung der Frage nach „meinem“ Bild hängt mit der Intensität meiner Jugendeindrücke zusammen; denn seit Kriegsende bin ich so ungemein mit der modernen Malerei beschäftigt – unter anderem mit Klee, Kandinsky, Nolde und Chagall, mit Gilles und Bargheer –, daß die neuen Eindrücke überwuchern.

Kleiner Kunstkalender

Professor Hentzen hatte diese bisher umfangreichste Gilles-Ausstellung (192 Werke aus den Jahren 1919 bis 1960) Anfang des Jahres für den Hamburger Kunstverein zusammengestellt, um damit den Träger des Hamburger Lichtwark-Preises zu ehren.

Bertolt Brecht, Hans Mayer und die Sklavensprache

Hans Mayer lebt und lehrt in Leipzig. – Sein Buch über Brecht ist jedoch in Pfullingen in Württemberg erschienen. Es mußte also für den Osten tragbar, für den Westen attraktiv und, versteht sich, wissenschaftlich einwandfrei sein.

Steuer-Sorgen

Der Dämon Steuer, der das Leben der Selbständigen in unserem Massenzeitalter vergiftet, der weit mehr als ein Drittel des Sozialprodukts in unersättlicher Gier verschlingt, bedient sich der Formen des Rechts beim (nach Staatssekretär Hettlage) „legalisierten Raub“.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine ungekürzte, typographisch vortrefflich gelungene Wiedergabe dieses zuerst 1943 erschienenen Handbuches mit seinen sechs Hauptteilen: „Vorfragen“, „Wort und Satz“, „Stilkrankheiten“, „Probleme der inneren Form“, „Fremdwort und Neuwort“, „Einzelfragen“.

Der Mann, der auf den Knopf drückte

Er drückte seine 61. Zigarette in dieser Nacht aus. Dann legte er seine Finger auf die beiden schwarzen Knöpfe des roten Metallkastens auf dem nackten Betonsockel.

Automation – eine Revolution

Alle halbe Jahre tagt in irgendeiner europäischen Stadt von Bedeutung der „Runde Tisch der Gesellschaft zum Studium der Probleme Europas“ (Table Ronde de l’Association pour l’Etude des Problemes de l’Europe), eine Vereinigung, die 1958 von dem französischen Politiker Edgar Faure und dem italienischen Journalisten Sampieri gegründet wurde.

Richtung Zukunft

In Pozzuoli bei Neapel besuchte ich die schönste Fabrik Europas, vielleicht der Welt. In diesen ganz in die südliche Landschaft eingebetteten Gebäuden bauen Männer, die gestern noch Fischer, Bauern, Straßenhändler, Lazzaroni waren, komplizierte Rechenmaschinen und Bestandteile elektronischer Geräte.

„Der neunte Kreis”: Liebe 1941

Im Jahre 1941 beginnen auch in Zagreb, der Stadt des Staatschefs Ante Pavelic, die Judenverfolgungen. Zufällig ist das jüdische Mädchen Ruth nicht daheim, als ihre Eltern von der Gestapo geholt werden.

Sonntag, 4. Juni, das Hörspiel:: „Jemand“

Es ist schon eine Weile her, daß der Name des ungarischen Komödiendichters Franz Molnar allen Theaterfreunden geläufig war. Die erneute Begegnung mit ihm in einer Sendung des Bayerischen Rundfunks ließ die Frage offen, ob wohl eine Wiederbelebung seines Lustspielwerkes auf der Bühne diesen Namen im früheren Glanze auferstehen lassen könnte.

Theater

Mit einer deutschen Erstaufführung wurde Louis Gaulis, ein 29jähriger Autor aus Genf, vorgestellt, dessen Volksstück „Kapitän Karagöz“ literarisch ein wildgewachsenen Schößling sein mag; sein Verfasser erweist sich aber als ein bühnensicherer Poet, der manchmal an Paul Willems erinnert.

Keine Angst vor Umbauten

Von hundert Fernsehteilnehmern können heute fünfundsechzig oder siebzig das – Zweite Programm. empfangen; bis zum Ende des Jahres, wenn einige Sender mehr in Betrieb sind, werden es etwa achtzig sein, und mehr noch im kommenden Jahr.

Tadel für den Musterknaben

Eine der gängigsten Thesen der währungspolitischen Diskussion in der Bundesrepublik ist die Behauptung, daß die Zahlungsbilanz-Krise in den Vereinigten Staaten auf „inflationärem Druck“ und die Zahlungsbilanz-Überschüsse in der Bundesrepublik auf besserer „monetärer Disziplin“ beruhen.

Gesetz mit Sicherheitsventil

Die heiß umkämpften Verkehrsnovellen werden mit großer Wahrscheinlichkeit nun doch noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Recht, und Wirtschaft: Klatsch im Betrieb

Trotz allem Mangel an Arbeitskräften bleibt den Arbeitern und Angestellten in den Betrieben noch reichlich Zeit zu privaten Plaudereien, die nicht selten zu gehässigen Klatschereien entarten.

Rechtsmittelfrist...

Eingeschriebene Briefe haben nicht immer die ihnen zugedachte Wirkung. Das haben schon viele Gutgläubige erfahren müssen, die glaubten, mit der Aufgabe des Einschreibebriefes seien alle Verpflichtungen erledigt.

Doch das Fleisch ist schwach...

Der Bundesrechnungshof erfreut sich einer „guten Presse“. Es tut gut, zu wissen, daß es so etwas wie eine Verwaltungspolizei gibt, die den Beamten auf die Finger und in die Bücher schaut.

Neue Reifen für den Währungsfonds

Es wird heute viel von einer Reform des Internationalen Währungsfonds gesprochen. Die Kritik richtet sich vielleicht weniger gegen die Konzeption als gegen die Instrumente und ihre Handhabung.

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