-r, Passau

Deutschlands zur Zeit meistgenannter Verleger, Dr. Hans Kapfinger im niederbayrischen Passau, geriet in der vergangenen Woche zweimal in peinliche Situationen. Erst gab die örtliche Staatsanwaltschaft bekannt, sie habe gegen ihn Anklage wegen Kuppelei erhoben. Dann organisierte die SPD in Passau eine "Anti-Kapfinger-Kundgebung" und brachte dafür immerhin 2000 Menschen auf die Beine.

Die Kuppelei-Anklage ist für Kapfinger unangenehm; nicht nur, weil ein solches Verfahren ohnehin den guten Ruf nicht eben fördert, sondern auch, weil sich Kapfinger vor Jahresfrist in einer anderen Kuppelei-Sache aufs heftigste engagiert hatte. Damals wurde Werner Friedmann, Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", unter dem Verdacht der fortgesetzten Anstiftung zur Kuppelei festgesetzt (und später wegen dieses Deliktes verurteilt).

In der "Passauer Neuen Presse", deren Herausgeber Kapfinger ist, wurde damals eifrig die Vokabel "Sittenskandal" benutzt. Friedmanns Vorleben wurde aufs ausführlichste untersucht, und Kapfinger gab überdies nach dem Urteil in einem Leitartikel zu erkennen, die Strafe sei eigentlich zu niedrig ausgefallen: "Friedmann ist am Zuchthaus vorbeigekommen, weil ihm das Gericht und der Staatsanwalt nicht nachweisen konnten, daß er gewußt habe, daß die Christa Rosenhain Lehrling im Süddeutschen Verlag gewesen ist. Darüber lachen allerdings in ganz Bayern die Hühner."

Den Stoff zum Lachen lieferte indessen. eher Kapfinger selbst. Nicht in ganz Bayern, aber immerhin in ziemlich breiten Kreisen Bayerns war wohlbekannt, daß der Sittenapostel aus Passau auf Grundseines eigenen Lebenswandel schwerlich legitimiert war, über Friedmann zu richten, schon deshalb, weil Kapfinger, gleich seinem Kollegen von der "Süddeutschen Zeitung", keine Eskapaden im eigenen (Verlags-)Haus scheute.

Abgesehen davon hatte Kapfinger, der immer wieder mit Stolz und Nachdruck darauf hinzuweisen liebt, daß er "ein katholischer Publizist’ ist ("Ich wollte in meinem Leben nichts anderes sein"), zu jener Zeit längst seine Frau verlassen. Wenn Kapfinger sich in München aufhält, wohnt er mit einer Dame zusammen, die ein Kind von ihm hat. Er tut dies ohne Scheu: Führende Politiker wie Franz-Josef Strauß pflegen sich, wenn sie den Niederbayern in München sprechen wollen, in eben das Haus am Englischen Garten zu bemühen, das Kapfinger seiner Freundin und seiner Tochter als gemeinsames Domizil dient. Aber warum sollten sie auch nicht? Andererseits: Orthodoxe Sittenrichterei steht Kapfinger wohl auch nicht zu Gesicht.

So intensiv sich Kapfinger dem Thema Friedmann gewidmet hatte, so zurückhaltend tat er, als die bayerische Justizpressestelle verlautbarte, es laufe ein staatsanwaltschaftliches Verfahren gegen ihn. Unter der Überschrift "Rufmord-Kampagne" erklärte der Passauer in seiner Zeitung: "Im Gegensatz zum Justizministerium nehme ich mir nicht das Recht, in ein schwebendes Verfahren durch eine eigene Stellungnahme einzugreifen." Aus den Ermittlungen gedieh inzwischen eine Anklage wegen fortgesetzter Kuppelei, basierend auf angeblichen Unzuchtshandlungen Kapfingers mit zwei Frauen.