Über 500 Segelboote aus 17 Nationen haben sich zur Kieler Woche 1961 versammelt, selbst aus Nordamerika und Südafrika kamen die Segler. kalter von Hutschler, der schon 1939 in Kiel zum zweiten Male mit seinem Starboot Weltmeister wurde, reiste von Rio de Janeiro an. Sieben Tage kämpfen die Besatzungen auf der Förde zwischen Laboe, dem Bülker Leuchtturm und Kiel Feuerschiff um den Sieg. Die großen Hochseejachten gehen am die lange Reise der Wettfahrten nach Eckernförde und zum Kurs „Rund um Fehmarn“. Die ersten Rennen brachten schöne Siege für die zahlreichen deutschen Teilnehmer. Es ist schon Tradition, daß auch der Bundespräsident als Ehrengast teilnimmt.

Am Sonntag, dem 23. August 1869, fand die erste „Kieler Segel- und Ruderregatta“ statt. Ein altes Programm berichtet, daß von einem „Comité“ des Norddeutschen Regatta-Vereins 22 Boote auf einen Kurs in die Kieler Innenförde geschickt wurden. Die Ausschreibung teilte diese Boote bereits in zwei Klassen ein. In solche von 23 bis 26 Fuß in der Wasserlinie und solche bis 22 Fuß Länge. Den Siegern winkten Preise zwischen 25 und 100 Courant-Mark.

Vor nahezu einem Jahrhundert war die Sportsegelei nur auf einen kleinen Kreis begeisterter Männer beschränkt. Bald, bei der Eröffnung des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kanals, war die Kieler Woche bereits ein internationales gesellschaftliches Ereignis. Es gehörte zum guten Ton, eine Jacht zu besitzen. Die Zeitungen schrieben lange Artikel, wenn Kaiser Wilhelm II. mit seiner Schonerjacht „Meteor“ seinen englischen Vetter schlagen konnte. Riesige Schiffe gingen damals an den Start. An Bord waren bezahlte Mannschaften bis zu 40 Köpfen, die die Unzahl der Segel zu bedienen hatten. Sie alle waren mit Prämien für einen Sieg am Gelingen der Wettfahrten beteiligt. Der Typ unserer heutigen Vertragsfußballer ist also nichts Neues.

Auf eigenem Kiel segelten diese herrlichen Schiffe über den Atlantik zu Regatten in der Neuen Welt. Selbstverständlich mit gekürzter Takelage und verkleinerten Segeln. Nimmt es Wunder, daß unter diesen kostspieligen Verhältnissen die Regattafelder stets nur sehr klein blieben? Mit Beginn des Ersten Weltkrieges ging in der Segelei diese Ära zu Ende. Aber schon 1920 fanden sich trotz aller Widrigkeiten die Segler wieder zu ersten Regatten zusammen. Aus den großen Jachten mit vielköpfiger Besatzung waren kleine Boote geworden, und die Mitsegler waren Freunde des Kapitäns, mit dem Freud und Leid geteilt wurden. Männer wie Richard Krogmann, im Freundeskreis nur „König Richard“ genannt, und der Hamburger Reeder Erich F. Laeisz, dem der Hang und die Liebe zur Segelei von seinen Vorfahren vererbt war, verschafften dem deutschen Regattasegeln wieder internationale Geltung und Anerkennung. Immer wieder ließ Erich F. Laeisz neue Boote bauen, führte internationale Klassen in Deutschland ein und gab besonders dem Nachwuchs die Möglichkeit, auf seinen Booten zu lernen. Dabei setzte er die Tradition der Laeiszschen „Flying P-Liners“ fort, der großen Segelschiffe, deren Namen alle mit einem „P“ anfingen und die in aller Welt wegen ihrer Schnelligkeit berühmt waren.

In den 20er Jahren kamen für die deutsche Rennsegelei viele Impulse aus Skandinavien. In Schweden wurden von den großen Konstrukteuren wie Tohre Holm, Estlander oder Anker die Schärenkreuzer gezeichnet. Herrliche Kielboote mit schnittigen Formen und einem messerscharfen Steven. Bei glattem Wasser waren sie sehr schnell, bei Seegang spielten sie manchmal „U-Boot“, so schnitten sie durch jede Welle. Heute segeln diese Boote noch auf den Schweizer Seen und in Süddeutschland. Auch die Jollensegelei entwickelte sich zwischen den beiden Weltkriegen stetig. Ganze Flotten gab es auf den Berliner Seen. Ihr Vater war Reinhard Drewitz, dieser geniale Konstrukteur, der sich immer wieder Neuigkeiten einfallen ließ, die Boote noch schneller zu machen. Die Jollen haben an Stelle des permanenten Kiels ein „Schwert“, eine versenkbare Eisenplatte, die es ermöglicht, auch am Wind zu segeln. Diese Bootstypen können kentern, sinken aber nicht, da der Auftrieb des Holzes das Gewicht des Eisens überwiegt. Im Gegensatz hierzu die Kielboote, die sich bei zu starkem Wind so auf die Seite legen, daß sie vollaufen und dann sinken. Auf dem Grund der Kieler Förde liegen noch heute einige Starboote, die vor dem letzten Krieg in einem Sturm auf Tiefe gingen.

Auch auf den bayerischen Seen wurde und wird die Segelei groß geschrieben. Am bekanntesten war wohl Altmeister Manfred Curry der große Flautensegler. Seine Bücher „Von der Ärodynamik des Segelns“ und über Regattataktik, vor nunmehr dreißig Jahren geschrieben, werden noch heute vom Nachwuchs in Nord und Süd gelesen. Neue Bootsklassen entstanden zwischen den beiden Weltkriegen: Konstruktionsklassen und Einheitsboote. Auf der einen Seite konnten die Konstrukteure ihrer Phantasie freien Lauf lassen und wurden in ihren Ideen nur durch einige wenige vorgeschriebene Maße eingeengt, zum Beispiel bei allen Booten der Renn-Meter-Formel. Bei den neuen Einheitsklassen dagegen blieben den Zeichnern innerhalb aller festgelegter Maße nur kleinste Toleranzen, die sie ausnutzen durften. Die meisten Einheitsklassen haben sich bis heute gehalten und werden noch gesegelt. Viele der in Deutschland entwickelten Boote waren nur nationale Klassen.

Für die Olympischen Spiele 1936 in Kiel wurde eine Ein-Mann-Jolle gebaut, die Olympiajolle. Werner Krogmann, ein Sohn des unvergessenen „König Richard“, errang hiermit die silberne Medaille. Dieses durchdachte und ausgewogene Boot hätte eine schöne europäische Einheitsklasse werden können, aber wiederum machte ein Weltkrieg der Entwicklung ein Ende. Der Konstrukteur der Olympia-Jolle, Hellmut Stauch, lebt heute in Südafrika und vertrat sein Mutterland auf den letzten Olympischen Spielen in Neapel.