DIE ZEIT

Hermann Reemtsma

Anderthalb Jahre, nachdem wir von seinem Bruder Philipp Abschied nehmen mußten, gilt unsere Trauer jetzt auch Hermann Reemtsma, der plötzlich starb.

Angebot an den Kreml?

Bundeskanzler Adenauer fordert Atomwaffen für seine Armee“ – so sprach Nikita Chruschtschow letzte Woche im sowjetischen Fernsehen.

Der Bundespräsident in Paris

Das Massenblatt „Paris-Presse“ hat’s nicht respektlos gemeint, als es humorvoll den deutschen Bundespräsidenten bei seinem Eintreffen in der französischen Hauptstadt als den milden Nachfolger Barbarossas begrüßte, denn es war zugleich bemüht, die „außerordentliche Bedeutung des Besuches“ ins Licht zu heben: „die Absicht des Präsidenten Lübke‚ mit dieser Reise unter die lange und furchtbare französisch-deutsche Tragödie endgültig und feierlich den Schlußstrich zu ziehen.

Das harte Nein aus Moskau

Ohne Illusionen, aber doch mit einigen zagen Hoffnungen auf beschränkte Übereinkünfte zwischen Moskau und Washington hatte John F.

Doppel-Pensionär

Es gab einmal einen Staatssekretär im Bundespostministerium, Professor Gladenbeck der trat wegen seiner angegriffenen Gesundheit in den Ruhestand.

Nervenkrieg um Laos

Seit über einem Monat schleppt sich jetzt in Genf die Vierzehnmächte-Konferenz hin, auf der die Neutralisierung von Laos – von allen Beteiligten im Prinzip, aber leider eben nur im Prinzip längst gebilligt – politisch und juristisch fundiert werden soll.

Zeitspiegel

Eine Reihe prominenter Engländer – unter ihnen Parlamentarier, Geistliche und Journalisten – haben sich zusammengetan, um gegen die Rassendiskriminierung im Sport anzugehen.

Playboy und General

Das dunkle Doppelrund der Sonnenbrille läßt die blasse Haut noch bleicher erscheinen. Zugleich aber geben die Gläser dem Gesicht des neuen Herrn der Republik von Santo Domingo doch einen Halt.

In Südtirol krachen die Bomben

In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni, nachdem die Feuer, die zu Ehren ihres Schutzpatrons auf den Höhen gelodert hatten, erloschen und die Südtiroler wieder in ihre Täler und Häuser zurückgekehrt waren, setzte plötzlich jene Serie von Bomben-Attentaten ein, die mit einem Schlage den rosigen Optimismus der Italiener auf, eine gütliche Beilegung des politischen Konfliktes abkühlte.

Urlaubsfahrten im Dienstwagen?

Bundesministern und Staatssekretären stehen nach einem Beschluß der Bundesregierung vom Dezember 1958 „Dienstkraftwagen zur unentgeltlichen Benutzung“ zu, weil sie „immer als im Dienst befindlich anzusehen“ seien.

Wehrbauern gegen Frankreich

Düstere Wolken überall – auch am politischen Himmel Frankreichs. Schien es erst, als sollten die Bauern-Unruhen eine bretonische Lokalangelegenheit bleiben – leicht entflammt, leicht zu besänftigen –, so zeigte sich bald, daß die schnell erzwungenen Versprechungen der Regierung nicht ausreichten, eine „Bewegung“ zu stoppen, die unbemerkt und von langer Hand vorbereitet worden war.

Ein neuer Türschließer der Ostsee

Anfang August wird die Deutsche Bundesmarine einen neuen Chef erhalten: jenen nämlichen Flottenadmiral Karl-Adolf Zenker, zur Zeit noch Befehlshaber der Seestreitkräfte Nordsee, der am 16.

Wie Rom es sieht

Die italienische Regierung hat bisher den Urhebern der Sabotage-Akte, die seit dem 12. Juni die Bevölkerung der Provinz Bozen – und zwar mehr die dort lebenden 130 000 Italiener als die 240 000 Südtiroler – in Atem halten, nicht den Gefallen getan, Repressalien gegen sie einzuleiten.

Um die Wagen und Gesänge

Der Kampf um den Nachlaß der Gesellschaft Freies Fernsehen – freilich mehr der Kampf um die Wagen als um die Gesänge – ist in vollem Gange.

Sammler am Rhein

Der Junge ist dreizehn Jahre alt, hoch aufgeschossen und hat Sommersprossen um die Nase. Er klappert mit seiner Sammelbüchse auf der Uferpromenade in Bad Godesberg, „Spenden Sie bitte für Berlin“, sagte er beinahe schüchtern.

Hessen: Schockieren statt langweilen!

Ob die Landesregierung noch länger gewillt sei, eine so linksradikale Studentenzeitung wie den Frankfurter DISKUS zu unterstützen, will der Bundesvorsitzende der Gesamtdeutschen Partei, Frank Seiboth, den hessischen Landtag fragen, der am 28.

Schleswig-Holstein: Begegnung im Gerichtssaal

Einen Tag vor dem „Tag der deutschen Einheit“ verhandelte die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Flensburg – zuständig für alle politischen Verfahren in Schleswig-Holstein – gegen den 30 Jahre alten ehemaligen Bundeswehrunteroffizier Karl-Heinz Schenkel aus Putlos wegen Menschenraubs.

Wie uns die Sowjets sehen

In meinen Unterhaltungen mit russischen Intellektuellen habe ich wohl zwanzigmal folgenden kleinen Vortrag gehalten: „Wir im Westen sind niemals sicher, daß wir absolut recht haben.

Zeitmosaik

Auf Initiative eines Tübinger Studenten hin wurden die Stadtväter von Wuppertal und besonders das Kuratorium des Eduard-von-der-Heydt-Preises darauf aufmerksam gemacht, daß sie in einer Zeit, da es doch allen (und besonders den Schriftstellern) angeblich so gut geht, einen der Ihren „in unverschuldeter materieller Beschränkung und seelischer Einsamkeit“ dahinkümmern lassen: Hans Brandenburg, den Autor des Wuppertaler Romans „Vater öllendahl“.

Halbstarkenromantik

Nun ist das Broadway-Ensemble mit der „West Side Story auf seiner Europa-Tournee auch nach Deutschland gekommen, und München durfte als erste deutsche Stadt erfahren, was es mit einem „Musical“ auf sich hat, das so „echt“ ist, daß ihm New York einen beispiellosen Serienerfolg bereitete und Paris vor ihm kopfstand.

Völlige Übereinstimmung

Nicht etwa, weil mir der Anblick der amerikanischen Präsidentengattin die Sprache verschlagen hätte, habe ich bisher gezögert, meinen Kommentar zu der Europa-Tournee des Ehepaars Kennedy zu geben.

Kleiner Kunstkalender

Einer der sympathischsten und stillsten unter den modernen Amerikanern. Tobey wurde 1890 geboren und war Begründer der Pazifischen Schule, die sich ihre Anregungen vom Fernen Osten holte.

Mein Bild

Dieses Monumentalgemälde Saul Steinbergs ist eins der tiefsinnigsten und zugleich anmutigsten, die mir bekannt sind; und unter solchen, die ihm an Tiefsinn und Anmut ebenbürtig sein mögen, ragt es durch seine Schlichtheit und die Sparsamkeit seiner Komposition hervor.

Das Ende der Angst?

Truman hat am Jahrestag des Kriegsausbruchs in Korea die heutige Situation mit der des Juni 1950 verglichen. Er sagte, daß, während damals die Friedenshoffnungen vernichtet schienen, heute die Vereinten Nationen stärker seien als vor einem Jahr.

Heinz Tietjen

Am Abend seines 80. Geburtstages steht Heinz Tietjen am Dirigentenpult der Städtischen Oper in Berlin, deren Ehrenmitglied er ist.

Öl zu Öl: Alte Meister bei Sotheby

Wie verstaubt alte Meister sein können – das ist ausnahmsweise wörtlich gemeint –, besser gesagt: wie vernachlässigt! Gemälde, de in halbdunklen Korridoren eines Herrensitzes hängen, in einem selten benutzten Prunksalon, in einem wenig besuchten Museum, scheinen in sich zusammengesunken, haben ihre Lebendigkeit eingebüßt, weil niemand mit ihnen gelebt hat; die Farben wirken stumpf, weil nur ein abgestumpfter Blick sie flüchtig streifte, und die Unergriffenheit, die sich mit den Bildern von einer Generation zur andern weitervererbt, legt sich wie graues Spinnweb auf den leuchtendsten Canaletto, der üppigste Rubens wird schwammig, der vornehmste Gainsborough blickt dümmlich aus spitzgewordenem Gesicht.

Akademische Abhängigkeit abbauen

Zum ersten Male trat am 16. Juni der neugewählte Präsident des deutschen Wissenschaftsrates, Ludwig Kaiser, vor die Gemeinde des Deutschen Hochschulverbandes.

Noch einmal das Lied der Erde

Daß ein Schriftsteller ein ursprüngliches Verhältnis zur Erde, zum Elementaren, zum bäuerlichen Leben hat und dennoch, wenn die Stunde der Versuchung da ist, nicht dem schlechten Mythus der Faschisten aufsitzt, sondern seine Stimme dagegen erhebt, ist nicht in jedem Falle zu erwarten.

Die Gespenste dieser Welt

Der Autor, ein 30jähriger, hochbegabter Montenegriner, scheint zu denen zu gehören, die vom Mitleid geschlagen wurden, ein für allemal, zu denen, die einmal als „Salz der Erde“ apostrophiert wurden.

Nicht mehr und noch nicht

Wer aus dem Tagebuch Erich Kästners etwas über ihn selbst zu erfahren hofft: persönliche Konfidenzen, Anklagen, Rechtfertigungen, der wird enttäuscht.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT das seit 1949 berühmte Werk (Le Deuxième Sexe) der stark unter dem Einfluß von Sartre stehenden Französin, auf wunderschönem Persia - Bibeldruck - Papier (Verzeihung: das Papier heißt nun mal so), in sehr brauchbares Deutsch übertragen von Eva Rechel-Mertens und Fritz Montfort.

Abgekarteter Undank

Pérez Galdós wurde in Las Palmas auf den Kanarischen Inseln geboren und kam 1862 mit neunzehn Jahren zum Studium nach Madrid.

Nicht irgendwelche Märchen...

„Das Land der Umbramauten ist zwischen dem Tagland und dem Nachtland gelegen als eine Welt der Dämmerung“ – so setzt die Titelgeschichte des Buches ein, in der die hierarchisch streng geordnete Gesellschaft der Umbramauten in der Form einer amüsanten Lehrbuchparodie geschildert wird.

Zeiten - Punkte - Resultate

DavisCup in München, Deutschland–Italien: 2 : 3. Nach dem 1 : 1 am ersten Tag siegten Pietrangeli/Sirola über Bungert/Kuhnke mit 6:2, 5:7, 6:3, 2:6, 1:6.

Polo: Eine Chance für die Pferde

Nach sehr langer Pause findet in Hamburg am kommenden Wochenende wieder ein Poloturnier statt. Diesem Versuch, eine fast zweieinhalbtausend Jahre alte Sportart in Deutschland wiederzubeleben, sollte man Erfolg wünschen.

Richtung Zukunft

Der Tischnachbar, der beim Bezahlen aus der Brieftasche statt einesGeldscheins die kleine längliche ,,Kredifkarte“ zieht, begegnet mir immer öfter.

Prophezeiungen

je Stadt der Zukunft wird nicht mehr als 30 000 Einwohner haben“, sagte der Engländer G. A. Jellicoe in seinem eben erschienenen Buch „Motopia“ voraus.

ZEIT-Zünder

Eine Forschungsgruppe der amerikanischen Marine will ergründen, auf welche Weise Reisetauben mit fast unfehlbarer Sicherheit den Weg in ihre heimatlichen Schläge zurückfinden.

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