hst., Bonn

Da wollen sie nun einen modernen Wahlkampf machen. Aber sie machen nur eine halbe Sache", klagt Walter J. Hipp, Verkaufsleiter West der amerikanischen Promotion-Firma E. F. MacDonald Company. Diese Firma befaßt sich mit moderner Verkaufsförderung und ist der Meinung: Was für Rolls Royce gut ist, kann auch Konrad Adenauer nicht schaden.

Damit der alte Kanzler am 17. September gut aber die Runden komme und so wieder der neue Kanzler werde, bot die MacDonald Company der Bundesgeschäftsstelle der Christlich-Demokratischen Union in Bonn ihr Graph-o-ton-System an Die Herren zögerten und wollten "es sich mal überlegen".

Ein Abgeordneter bekam Graph-o-ton zu hören, zu sehen und zu lesen. "Hören, sehen und esen" ist nämlich laut E. F. MacDonald Company der Clou dieses Systems, das den Verkauf von Automobilen entscheidend gefördert hat. Der Abgeordnete wurde vor einen Plattenspieler gesetzt und bekam ein Heft in die Hand. Nach 20 Minuten Jazz flüsterte eine freundliche Stimne: "Meine Herren, wir stellen Ihnen unser neues Automobil vor ..." Der Sprecher erzählte tun genau das, was links auf der ersten Textseite des Heftes stand, während er rechts – auf der ersten Bildseite – den neuen Wagen betrachten konnte. Auf rund drei Dutzend Seiten mit Kurztexten und zwei Seiten Langspielplatte von je fünf Minuten Dauer wurden die Vorzüge des neuen Autos gepriesen. Regie-Anweisung: "Leien Sie zur Platte die gleichlautenden Texte". Verkaufsleiter Hipp erläuterte: "Die Bilder prägen sich selber ein ... Nach viermaligem Hören, Sehen und Lesen ist jeder einfache Mensch zumindest ein durchschnittlicher Autoverkäufer ..."

In der CDU, erklärte uns der Verkaufsleiter, seien viele einfache Menschen, die zwar ihre Partei für die beste hielten, aber mangels rhetorischer und dialektischer Fähigkeiten deren Vorteile den Mitbürgern nicht richtig erklären könnten – "am Stammtisch zum Beispiel, wo doch immer Politik getrieben wird". Wer eine solche Schallplatte über die CDU mehrere Male gehört und sich die Bilder eingeprägt hat, ist, laut MacDonald, imstande, jedermann in wohlgeordneten Sätzen Ziele und Vorteile der CDU-Politik klipp und klar zu erklären. Hipps Motto lautet: "Jeder Stallknecht ein perfekter Wahlredner". Denn "gerade in einsamen Landgegenden ohne genügende Rednerschulung leistet Graph-o-ton unschätzbare Dienste."

Die Herren von der CDU-Bundesgeschäftsstelle überlegten lange. Dann lehnten sie den Vorschlag "aus finanziellen Erwägungen" ab. Verkaufsleiter Hipp seufzte resigniert: "Einen modernen Wahlkampf wollen sie machen. Aber sie hinken mindestens dreißig Jahre hinter Amerika her..."