DIE ZEIT

Der Bundestag nach zwölf Jahren

Der dritte Bundestag beendet diese Woche seine Arbeit. Er hat über dreihundert Gesetze verabschiedet – wenn man die verschiedenen Ratifikationsgesetze dazuzählt, sogar 420.

Die Kettenreaktion in Südtirol

Schatten – das ist bisher das einzige, was man von den Extremisten in Südtirol gesehen hat, Schatten in der Dunkelheit. Aber ihre Bomben haben mehr zerstört als nur Hochspannungsmasten und Denkmäler.

Ist Nein-Sagen genug?

Krisen, die zur Dauer-Erscheinung werden, haben eine fatale Wirkung: Sie lassen den Sinn für akute Gefahren verkümmern. Sie lullen ein, weil sie abstumpfen.

Kassems Krise um Kuweit

Kuweit, das ölreiche Scheichtum am Persischen Golf, hat seine Souveränität nicht einmal eine Woche lang in Frieden genießen dürfen.

Der streitbare Propst

Altwerden ist kein Verdienst, das zu rühmen wäre“– dieser Satz steht in dem Brief, mit dem Propst Heinrich Grüber, der letzte Woche 70 Jahre alt geworden ist, seine Freunde bat, an seinem Geburtstag von Gratulationen und Geschenken abzusehen.

Parlament hinter Stacheldraht

UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld ist wieder optimistisch. „Ich glaube, das Schlimmste ist nun im Kongo überstanden“, erklärte er vor einigen Tagen.

Zeitspiegel

„Der ganze Staatsapparat war beteiligt an der Saat, die dann später aufgegangen ist, und wenn der Angeklagte schuldig ist, so sind die Urheber, die in den hohen Ämtern saßen, schuldiger als der Angeklagte, mögen sie auch als ‚Kämpfer‘ oder als heimliche ‚Widerstandskämpfer‘ tätig gewesen sein.

Im Nervenkrieg gilt Härte

Es gibt in der Frage, wie der Westen auf die aggressiven Äußerungen Chruschtschows und der sowjetrussischen Presse über Berlin reagieren soll, in Bonn keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Opposition.

Kennedys Allianz für den Fortschritt

Wenn die Freiheit nicht den vielen Armen auf dieser Welt hilft, dann wird sie niemals die wenigen ’Reichen retten.“ Diesen Satz sprach Adlai Stevenson vor einem Jahr zum erstenmal aus.

Wieder wühlt er in den Akten

Was Israels Generalstaatsanwalt Gideon Hausner in reichlich neun Wochen schrecklicher Anklage nicht geschafft hat, das schaffte der Angeklagte Eichmann in wenigen Tagen eigener Aussage.

Diplomaten aus der Bonner Schule

In Bonn kündigt sich wieder einmal ein Diplomatenschub an. Staatssekretär van Scherpenberg ging nach Rom, die Botschaften in London, Tokio und Neu Delhi sollen neu besetzt werden, im Auswärtigen Amt warten hohe Posten auf neue Männer.

Eurafrika nimmt Gestalt an

Die erste gemeinsame Arbeitstagung europäischer und afrikanischer Parlamentarier ist letzte Woche in Straßburg ein großer Erfolg geworden.

Berlin: Die Sprache der Funktionäre

Auf Wärme und Sonne hatten die Bauern in Mitteldeutschland gehofft, aber es blieb naß und kühl. Tag für Tag fiel der Regen, die Flüsse traten über die Ufer und überschwemmten die Felder.

Nordrhein-Westfalen: Das große Tamtam der Schützen

Westfalens Schützenvereine schießen scharf. Diesmal aber nicht auf die Scheibe oder auf Tontauben. Ihr Ziel ist der Schriftsteller Josef Reding, der sich in der Zeitschrift „Kultur und Heimat“ zu Castrop-Rauxel über die Traditionsseligkeit der Schützenvereine mokiert hatte.

Die Lücke im Gesetz

Freunde eines guten Tropfens dürfen sich künftig glücklich schätzen. Ihnen droht weder Gefängnis noch Führerscheinentzug, wenn sie betrunken nach Hause fahren.

Hessen: Ferienplätze für Berliner Kinder

Bei der Stiftung „Hilfswerk Berlin“ sieht man es nicht gern, wenn in der Presse von „Mißerfolgen“, von „Berlin-Müdigkeit“ und von mangelnder Beteiligung der Bevölkerung der Bundesrepublik an der Ferienaktion für West-Berliner Kinder gesprochen wird.

Professor Hans Wenke

Am 17. Juni, dem Tag der deutschen Einheit, sind bei vielen Feiern viele Ansprachen gehalten worden, und immer war dabei die Rede von Selbstbestimmung, Einheit und Freiheit.

Selbstbestimmung, Einheit, Freiheit

Der Gedanke der Selbstbestimmung hat eine ehrwürdige geistesgeschichtliche Tradition. Die Griechen schufen den Begriff der Autonomie, der Selbstgesetzgebung, und bezeichneten damit Staaten, die ihre eigene Verfassung hatten.

Kraft von unten

Die englische Bühne hat eine kleine Renaissance. Nach Shaw, nach Galsworthy, nach J. M. Barrie war das Westend von London in der leeren Übung des Amüsier- und Gesellschaftstheaters verdorrt.

Mein Bild

Weide ich nach „meinem“ Gedicht gefragt, so beginnt das Gedächtnis zu arbeiten. Versbrocken, ganze Verse werden emporgeschleudert, Bilder tauchen auf, Rhythmen setzen sich durch.

Vergebliche Aussprache

Bundespräsident Heuss sprach sich bei der Eröffnung des Kieler Internationalen Studentenheims gegen das Wiederaufleben der schlagenden Verbindungen aus.

Zeitfragen: Wie macht man aus Ganoven Bundesbürger?

So steht es im Text, so wird es in aller Welt gespielt. Nur Brechts eigener Bühne, dem Berliner Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm, war dieses Ende anscheinend nicht gut genug, und so zog man sich ein anderes an den Haaren herbei.

Modernes Wohnen

vergessen. Man hat überhaupt an alles gedacht. Mir persönlich gefällt das feststehende Fahrrad am besten, erfüllt es doch gar einen doppelten Zweck: Es kann auch als Luftpumpe verwendet werden.

Sieben Medizinische Akademien

Als vor drei Jahren Helmut Coing, damals Vorsitzender der Deutschen Rektorenkonferenz, aus den Händen von Theodor Heuss den Auftrag zur Bildung des Wissenschaftsrats entgegennahm, hatten die meisten wohl erwartet, daß damit wieder einmal ein erlauchtes Gremium, noch eins, ans Worteschmieden gehen werde.

Zeitmosaik

An den einzelnen Universitäten und nun gar erst an den Professoren und Studenten wird herumkritisiert, daß manchmal kein gutes Haar an ihnen bleibt und man glauben könnte, die deutschen Universitäten seien die rückständigsten und verstaubtesten Institutionen der Welt, aber das alles geschieht aus Respekt vor dem Gralstempel, von dem jeder gebildete Deutsche klar oder unklar ein Abbild in sich trägt.

Die schönsten Schallplatten

Hier haben wir die letzte Arbeit großen Stils, die der kürzlich verstorbene geistvolle Dirigent für die Schallplatte geleistet hat.

Ein Orfeo zuviel

Die traditionelle „Münchner Festwoche des Balletts“, die soeben zu Ende ging, hatte ihren musikalischen Interessenschwerpunkt gleich am ersten Abend.

Gold und Silber

Zwar werden die Zukunftsperspektiven als „düster“ bezeichnet, aber heiter und voll Glamour ist die Gegenwart: Berlin feiert die 11.

Kleiner Kunstkalender

Fritz Wotruba ist Österreichs prominentester Bildhauer, der einzige, der sich international durchgesetzt hat. Dabei läßt sein Werk gerade die spezifischen österreichischen Qualitäten vollkommen vermissen.

Labor der Träume

Auf einer Tagung im November 1960, bei der sieben Autoren miteinander über das Thema „Lyrik heute“ stritten, bezeichnete sich Günter Grass als „Gelegenheitsdichter“: Sein Ärgernis sind Dichter, die ihre Gelegenheit nicht abwarten können, die Herren im Labor der Träume, die Herren mit den reichhaltigen Auszügen aus Wörterbüchern, die Herren, die von früh bis spät mit der Sprache, dem Sprachmaterial, arbeiten, die geschwätzig und als Dauermieter nahe dem Schweigen wohnen .

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT kürzere oder längere Stichwort-Essays zu allen. Fragen der Pädagogik und Kulturpolitik – wie zum Beispiel (willkürlich herausgegriffene Stichwörter): Altsprachlicher Unterricht – Bildungsroman – Erwachsenenbildung – Gesetz und Evangelium – Landerziehungsheime – Marxismus – Presse – Russisch in der Höheren Schule; dazu, in einem Anhang, zwei, sehr nützliche Zusammenstellungen über ‚Geschichte der Pädagogik’ und ‚Bildungswesen der Länder’.

Zum Weiterleben ermutigt

Von dem Vierteljahrhundert, das seit dem Tode des Wiener Polemikers Karl Kraus verflossen ist, haben die Heuschrecken die Hälfte gefressen.

Magie des gesprochenen Wortes

Gertrude Stein ist so berühmt wie unbekannt. Man nennt ihren Namen, wo immer von moderner Literatur gesprochen wird, man rühmt sie als die Mutter der „verlorenen Generation“, hebt wohl auch ihren Sammlerinstinkt und ihre Freundschaft mit Pablo Picasso und Juan Gris (über die beide sie geschrieben hat) hervor – aber man liest sie nicht, und auf ihr Werk, ihr großes, weitgedehntes Werk kommt die Rede kaum je.

Zauberschloß der Sprache

Was ist das: „Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel an Stelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen.

Analytiker der Apokalypse

Ich werde über acht Kriege sprechen; einige davon sind historisch, einige hypothetisch. Jeder Krieg ist eine technologische Revolution weiter als der vor angegangene; das heißt, die Kriege sind weit genug auseinandergelegt, um zu illustrieren, wie sich Strategie und Taktik zugleich mit der Technik gewandelt haben und in Zukunft wandeln mögen.

Die Sonne von Sodom

Der einfache Plastikherd, auf dem Hausfrauen die Mahlzeiten für ihre Familien mit Sonnen-Energie kochen können, hat in den ländlichen Gemeinden Mexikos recht geteilte Aufnahme gefunden.

Erfindungen

Die „National Cash Register Company“ hat in New York, Chikago und Houston mit der Einrichtung der ersten drei von insgesamt 100 im gesamten Land geplanten Rechenzentren begonnen, die speziell für solche Kleinunternehmen gedacht sind, die finanziell nicht in der Lage sind, moderne Elektronenrechner zu erwerben oder zu mieten.

Maschinen im Laufschritt

Der Vogelflug hat die Idee zum Flugzeug geliefert; mit Rudern und Segeln imitiert man die Fortbewegung von Fischen, Insekten und Pflanzensamen.

Prophezeiungen

Nach der Meinung amerikanischer Fachleute wird in etwa zehn Jahren der Telephonverkehr zwischen Europa und den USA via Weltraum abgewickelt.

Richtung Zukunft

Die Bretagne ist weit von Italiens Stiefelabsatz, aber ihre Probleme sind sehr nah. Bauernunruhen in Frankreich? Ein Landarzt, dessen Patienten in den Dörfern rund um die süditalienische Stadt Matera leben, erzählte nur: „Auch bei uns ist die Landarbeiterschaft unruhig.

ZEIT-Zünder

Welche gesundheitlichen Folgen die Detergentien haben, die wir täglich mit dem Wasser, mit Spülmittelresten, über Nahrungsmittel, Medikamente und Kosmetika aufnehmen und möglicherweise speichern, ist noch unbekannt.

Fernsehen: Ballett: Nahaufnahme

Arabesque, Assemble, Bras en attitude – das Kostbarste an der gebrechlich-disziplinierten Grazie des Balletts entzieht sich dem Bildschirm – jenes, weil der kleine Bildausschnitt die weitausgreifende Bewegung nicht fassen kann, dieses, weil im verschwimmenden Grau der Röhre die nuancierte Bewegung untergeht.

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