Von Theo Löbsack

Seit seiner Geburt schleppt der Mensch seit Körpergewicht mit sich herum. Er ist angekettet an die Erde. Aber er braucht nur unter den Wasserspiegel zu tauchen, um schwerelos zu sein. Vom Wasser getragen, kann er in jede Richtung hinfliegen, aufwärts, abwärts, seitlich, eine winzige Handbewegung genügt..."

Jacques-Yves Cousteau, der bekannteste französische Flossentaucher, spricht mit diesem Loblied auf den Tauchsport für all jene, die nun wieder in die stillen algenbewachsenen Gefilde des Meeres hinabgleiten. Trotz mancher Gefahren hat ein noch recht junges Hobby selten so begeisterte und zugleich unterschiedliche Anhänger gefunden: Amerikas Raketen-As Wernher von Braun, Lord Louis Mountbatten, der russische Atomphysiker Pontecorvo und die ehemalige Diplomatin Clare Boothe Luce zählen zu ihnen ebenso wie der namenlose Quartaner, der seine erste Tauchausrüstung zusammenbastelt.

Sie alle suchen nicht den weißen, flach ins Meer verstreichenden Sandstrand, nicht den lärmenden Strandkorbbetrieb oder den Exhibitionismus der mondänen Strandbäder. Ihre Ziele liegen abseits von den großen Straßen: steile Felsküsten, unwirkliche, steinige Ufer und algenbewachsene Tauchgründe mit klarem Wasser und vielen Fischen. Dort enthüllt ihnen das Meer Geheimnisse, von denen der normale, ultrageölte Badegast sich nichts träumen läßt.

Ist es der Reiz dieser neuen, nie geschauten Welt allein, der die Flossentaucher unter den Meeresspiegel lockt? Ist es der letzte noch unerforschte Kontinent unserer Erde, das erregend Unbekannte, dem sie nachspüren wollen? Oder ist es die Lockung des Meeres schlechthin, die sie tauchen läßt? Alles Leben entstammt den Ozeanen. Man mag darüber lächeln, aber es scheint, als fänden die Taucher heute dorthin zurück.

Um das Zauberland am Meeresgrund zu erschließen, genügt eine ganz bescheidene Ausrüstung, in erster Linie die Tauchmaske. Während dem ungeschützten Auge unter Wasser alle Gegenstände verschwommen erscheinen, sieht der Taucher mit Maske die Unterwasserwelt deutlich wie durch eine Aquariumscheibe.

Als zweites sind Schwimmflossen notwendig – die Siebenmeilenstiefel der Wasserratten. Hat man sich einmal daran gewöhnt und versucht es dann wieder ohne sie, so ist es, als wollte man mit gerissener Kette Fahrrad fahren. Die Gummiflossen machen jeden durchschnittlichen Schwimmer schon nach wenigen Übugsstunden zum Rekordmann an Tempo und Beweglichkeit. Unter den vielen Modellen, die angeboten werden, sollte man aber zu wählen wissen. Daß die Flossen gut passen müssen, versteht sich von selbst. Sie dürfen nicht zu kurz und nicht zu weich sein, weil ihre Wirkung dann gering bleibt, und nicht zu hart und nicht zu lang, weil sie die Beinmuskeln dann schnell ermüden.