Es hat sich herumgesprochen, daß Fernsehen und junge deutsche Literatur nicht viel voneinander wissen: Gerade die ansehnlichsten unter unseren Poeten haben die Kunst des Flimmerbildes bisher achselzuckend gemieden. Sehr im Unterschied zum Hörfunk übrigens, wo mit Bachmann, Eich und Aichinger fast so etwas wie eine neue Literaturgattung entstanden ist, und sehr zum Unterschied von Frankreich auch, wo die junge Avantgarde nicht nur die Drehbücher für die "Neue Welle" des Films, sondern auch für die des Fernsehens verfertigt.

Ob ähnliche Poetenaktivität in unserem Lande ein Gewinn für die Fernsehgemeinde wäre, bleibt nach den bescheidenen Ansätzen in dieser Richtung jedoch einigermaßen problematisch. Dem unterhaltungsverachtenden Dichter-Hochmut entspricht eine szenisch-dramaturgische Unbeholfenheit, angesichts deren man den Fernsehroutiniers gegenüber milde gestimmt wird. Jüngstes Beispiel in dieser Hinsicht war Wolf gang Hildesheimers Fernsehspiel "Ich heiße Robert Guiscard" (Stuttgart), dessen sparsamer Witz darin bestand, daß ein Bilderfälscher ein imaginäres Balkanfürstentum durch die Verfertigung von Falsifikaten saniert.

Von dem Memoirencharakter der Rückblendengeschichte bis zu den Ironien gegen die Kunstsachverständigen war die ganze Geschichte so trübe aus den Zutaten Felix Krull und Malskat zusammengesetzt, daß die im Titel enthaltene Anspielung noch der sublimste Witz war. Der Name des Normannenherzogs Robert Guiscard, dem Kleist ein Drama widmete, heißt nämlich wörtlich übersetzt: Schlaukopf. Als Hildesheimer darauf kam, seinen Bilderfälscher Guiscard zu nennen, hat er sicher, sehr lachen müssen. Danach nichts mehr gegen die sauberen Klassiker-Inszenierungen von Hermann und Dorothea" (SFB) und "Nora" (München).

Energie und Fleiß beherrschen die Industrie. In der Ernte ist alles ein lachendes, singendes Land. In der Pfalz wächst eine Weinsorte nach der anderen. Kiel ist eine fleißige Stadt. Bonn ist ganz modern aufgebaut. Alles ist ein beglückendes Erlebnis.

Das sind nicht Zitate aus Schulaufsätzen "Mein Ferienerlebnis", sondern Passagen aus Professor Günther Grundmanns Begleittext zum "Filmbericht vom Deutschlandflug" lupus