Zum dritten Male bietet die Deutsche Continental-Gas-Gesellschaft, Düsseldorf, ihren Aktionären eine unveränderte Dividende von 11 vH an. Zwar weist die Verwaltung darauf hin, daß die Ausschüttung, wenn sie auf das Kapital vor der 1960 durchgeführten Berichtigung aus Gesellschaftsmitteln bezogen wird, eigentlich einem Satz von 12,83 vH entspricht. Aber das galt mindestens auch bereits für das vorige Jahr. Für die letzten beiden Geschäftsjahre – 1959 und 1960 – hat sich auch der Betrag, den Contigas für die konstante llprozentige Dividende aufwenden muß, absolut nicht verändert. In einer Pressekonferenz zur Erläuterung des Abschlusses 1960 erklärte hierzu Vorstandsvorsitzer Dr. jur. Wolfgang Glatzel, die Verwaltung habe bewußt eine Pause einlegen wollen in der Dividendenentwicklung. Allerdings zerstreute er auch gleich etwaige Hoffnungen auf eine weitere Kapitalberichtigung, die vielleicht mit dem betonten Dividendenstop genährt werden könnten. Glatzel wiederholte erneut und sehr nachdrücklich die Meinung der Verwaltung, das Contigas-Kapital sei nach der im Vorjahr vorgenommenen Erhöhung um 10 auf 70 Mill. DM "nunmehr richtig und angemessen" dotiert. Möglichen Spekulationen auf die zunächst noch recht hoch erscheinenden Rücklagen hielt er entgegen, daß die Beteiligungen – die in der Holding-Bilanz mit 114,5 Mill. DM zu Buch stehen – im Durchschnitt mit 121 vH bewertet sind, daß aber eine "vorsichtige" Holding diese nur zu pari ansetzen würde. Demnach seien also die Beteiligungen um rund 20 Mill. DM "zu hoch" bewertet worden, und diese Summe müsse im Geiste von den 47,4 Mill. DM Rücklagen abgesetzt werden. Dann verblieben als "echte Reserven" in den Rücklagen noch etwa 30 vH des Kapitals, und das sei – so argumentiert Contigas – für eine Holding-Gesellschaft keineswegs zuviel.

Daß die Aktionäre für das Geschäftsjahr 1960 auf eine Dividendenerhöhung verzichten müssen, kann im Grunde nicht mit einer Verschlechterung der Ertragslage erklärt werden. Im Gegenteil, in allen Tätigkeitsbereichen der Contigas-Gruppe ist gut gearbeitet und ein befriedigendes Ergebnis erzielt worden. Die drei wichtigsten Beteiligungen, die Continental Elektroindustrie AG Düsseldorf, die Steinkohlenbergwerk Westfalen AG, Ahlen, und die Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft, München, haben sich, wie die Verwaltung betont, im Zeichen der anhaltenden Hochkonjunktur günstig entwickelt.

Dennoch hat die Dividendenpause bei Contigas zweifellos ihre ausschlaggebende Ursache bei Conti-Elektro, der Hauptstütze des Konzerns, gefunden. Die Zusammenfassung der Fabrikationsbetriebe – so heißt es im Bericht – habe die Grundlage zu einer Verstärkung der Arbeiten in vielen Bereichen geschaffen. Um diese Möglichkeiten nutzen zu können, hat diese Tochter ein umfangreiches Investitionsprogramm begonnen, als dessen erste Auswirkung bereits eine Dividendensenkung von 8 auf 6 vH vorgenommen wurde. Die wichtigsten Projekte sind ein neues Werk für Kleinmotoren in Ahlen und ein Kabelwerk in Brake.

Aber nicht nur die Conti-Elektro-Tochter bestreitet den Investitionsboom der Gruppe. Im Berichtsjahr sind in den Industriewerken 11,3 (10,6), im Bergbau 6,8 (6,2) und in den Versorgungsbetrieben 11,5 (5,5) Mill. DM aufgewendet worden. Demgegenüber sind bereits für das laufende Jahr in der Industrie 17,3, im Bergbau 9,2 und in der Energiegruppe 9 Mill. DM für Investitionen vorgesehen. Einem Dividendenoptimismus für die unmittelbar bevorstehenden Jahre können diese Pläne zunächst keineswegs Nahrung geben. Zwar denkt die Holding an die Aufnahme eines Schuldscheindarlehens, aber wie bereits das Berichtsjahr zeigt, wird auch der auszuweisende Gewinn von den Finanzbedürfnissen der Beteiligungsgesellschaften entscheidend beeinflußt.

Von dem um 6,1 vH auf 458,1 Mill. DM gestiegenen Konzernumsatz entfielen 1960 auf die Industriebetriebe rund 254,7 (243,5), auf die Energieversorgung 102,2 (94,5) Mill. DM, und auch der Bergbau konnte seinen Umsatz auf 101,2 (94) Mill. DM steigern. Während sich die Versorgungsbetriebe durchaus im – positiven – Trend der Branche entwickelt haben, verdient der Abschluß der Contigas-Zeche Westfalen Beachtung. Eine Fördersteigerung auf rund 1,491 Mill. t und der nahezu vollständige Abbau der Kokshalden sprechen für sich.

Die Prognose für das laufende Jahr fällt bei Contigas betont vorsichtig aus. Immerhin ist der Umsatz der Gruppe in den Monaten Januar bis Mai 1961 nochmals um 14,1 vH auf 200,2 (175,4) Mill. DM gestiegen. Die stärkste Zunahme – um 23,3 vH – verbucht die Industrie, es folgen der Bergbau mit einer Zuwachsrate von 4,1 und die Energieversorgung mit 3,4 vH. Nmn