Von Günter Koch

Tpräumen auch Sie vom grünumrankten Eigenheim?Haben Sie gar schon den Zuteilungsbescheid Ihrer Bausparkasse in Händen? Dann gehen Sie schweren Zeiten entgegen; es sei denn, Sie wären bereits glücklicher Besitzer eines Baugrundstücks – dann brauchen Sie hier nicht weiterzulesen.

Diese Zeilen sind jenen "Unglücklichen" gewidmet, die sich nach entbehrungsreichen Bausparjahren kurz vor dem Ziel um alle ihre Eigenheimhoffnungen betrogen sehen. Hunderttausend braven Bausparern geht es zur Zeit so; sie freuen sich über ihren Zuteilungsbescheid und können doch nichts mit diesem langersehnten Papier anfangen; denn ohne Bauplatz kein eigener Herd. Wird es jenen drei Millionen Bausparern ähnlich gehen, die noch nicht so weit, also noch nicht "zuteilungsreif" sind? Werden auch sie ihre Hoffnungen auf "besser und schöner wohnen" über kurz oder lang begraben müssen? Im Augenblick sieht es ganz danach aus.

Hier nur wenige Zahlen, die für sich sprechen: Nach Ermittlungen des Deutschen Volksheimstättenwerks lagen 1959 – also ein Jahr vor Beseitigung des Preisstopps für unbebaute Grundstücke – die tatsächlich gezahlten Baulandpreise um mindestens 250 bis 300 vH über den Stopppreisen von 1936. Wohlgemerkt: im Durchschnitt. In Einzelfällen betrugen diese "Schwarzmarktpreise" gar das Zehn- bis Fünfzehnfache der genehmigten Preise. Doch von diesen Wuchererscheinungen wollen wir hier schon gar nicht sprechen; bleiben wir ruhig beim Durchschnitt. Für ein 1000 qm großes Grundstück, das 1936 – in entsprechender Lage – 10 000 Mark kostete, mußten also 1959 40 000 DM bezahlt werden. Eine hübsche Stange Geld. Seitdem sind aber wieder zwei Jahre ins Land gegangen. In diese Zeit fiel die Aufhebung des Preisstopps, die alles andere als preisdämpfende Wirkung hatte. Orientiert man sich an der Preisentwicklung für bebaute und Trümmergrundstücke, die Ende 1952 aus der Preisbindung entlassen wurden und danach im Laufe von 7 Jahren um 100 beziehungsweise 130 vH stiegen, kann man für die beiden letzten Jahre am Markt für unbebaute Grundstücke eine mindestens 25prozentige Preissteigerung ruhig annehmen. Unser Grundstück kostet heute also schon 50 000 DM. Ein Quadratmeterpreis von 50 DM ist denn auch in großstadtnaher Lage heute durchaus die Regel, wobei in "besseren" Wohngegenden Preise von 100 bis 150 DM keine Seltenheit sind.

Mit böser Spekulation oder gar Wucher hat dies nichts zu tun. Vielmehr sind diese Preise nichts anderes als Ausdruck einer nun einmal gegebenen Mangellage, also ganz normale "Verkehrswerte". Den Bauwilligen tröstet das freilich nur wenig, soll er doch runde 50 000 Deutsche Mark auf den Tisch des Hauses blättern, nur um ein totes Stück Land – die Erschließungskosten kommen ja noch hinzu – sein eigen nennen zu dürfen. Selbst dann, wenn er ganz bescheiden bauen wollte, muß er die reinen Baukosten heute mit 50 000 bis 70 000 DM veranschlagen. An den Gesamtherstellungskosten wäre dann allein der Bauplatz zuzüglich Aufschließung (Straße und Kanalisation) mit sage und schreibe 50 vH beteiligt. Wer kann das bezahlen?

Gewiß, draußen auf dem flachen Land ist das Bauen billiger, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung gern bestätigen will. Also hinaus in die Ferne, aber das ist nicht jedermanns Sache. Und geschenkt bekommt man dort auch nichts, wenn man seiner Eigenheimromantik nicht gerade dort frönen will, wo sich die Füchse gute Nacht sagen. Im unmittelbaren Einzugsgebiet der Großstädte, wofür ein Radius von etwa 30 km angenommen werden kann, muß man heutzutage schon viel Glück haben, einen Bauplatz zu einem Quadratmeterpreis von 25 DM zu ergattern. Da sich die Baulandnachfrage verstärkt auf das "Hinterland" der Großstädte verlagert, steigen dor-t die Bodenpreise übrigens besonders stark.

Hierfür nur ein Beispiel: In einem Taunusdorf, 25 km von Frankfurt entfernt, sind die Baulandpreise in den beiden letzten Jahren (Stopppreis 3 DM) von "schwarz" 10 auf offiziell 25 DM gestiegen. Hinzukommen bei einem 1000 qm großen Grundstück Aufschließungskosten in Höhe von 8000 DM, so daß der Bauwillige allein für Grund und Boden 33 000 DM bezahlen muß – und das draußen auf dem Lande. Für die nach dem Wohnungsbaugesetz besonders begünstigten Bevölkerungskreise (Einkommensgrenze monatlich 750 DM) sind das auf jeden Fall unerschwingliche Preise.