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BAYERISCHER RUNDFUNK

Dienstag, 27. Juni, das Hörspiel:

In der Reihe "Große Interpreten" sendete der Bayerische Rundfunk Gerhart Hauptmanns Drama "Michael Kramer", für den Funk bearbeitet von Heinz-Günter Stamm, mit Paul Bildt in der Titelrolle, Martin Benrath als Arnold, Inge Langen als Michaline.

Es ist noch nicht lange her, daß eine Neuinszenierung des Stückes im Münchner Residenztheater herauskam. Da hatte sich wieder einmal gezeigt, wie aller Staub, der sich im Laufe der Jahrzehnte auf die Problematik, das Milieu und die Staffagen dieser Könner-, Künstler- und Banausen-Tragödie gesenkt hatte, zwar nicht entfernt, aber gleichsam unsichtbar gemacht werden kann, wenn die beiden Hauptrollen, Vater und Sohn, mit soviel echter Menschlichkeit erfüllt werden, daß sie unsere Teilnahme einfach erzwingen. Ernst Ginsberg und Hans Clarin hatten das zuwege gebracht.

Jetzt, in der Hörspielsendung, gelang dasselbe Zauberkunststück: Auch hier nahm man dem Taugenichts-Sohn das unterstellte Genie bereitwillig ab, überhörte man unter dem Eindruck ergreifend bemeisterten Vaterschmerzes die religionsphilosophischen Plattheiten des großen Trauermonologs. a-fh.

Daß der riesengroße Globus immer kleiner wird, ist nicht zuletzt daran zu erkennen, daß die Neugier an sozialen und kulturellen Zuständen "ferner" Staaten allmählich Bestandteil unserer Alltagsinteressen wird. Und bald sind wir doch tatsächlich schon soweit, daß Zeitung, Film, Funk und Fernsehen kaum noch Neuland bieten können: Tananarivo, Kasai, Brasilia – ach ja, richtig! Also umfänglich unterrichtet gehen wir dann ans Vertiefen.

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Zur Gegenwart gehört vor allem einmal die Vergangenheit. Joachim Kaiser wollte uns dabei ein wenig behilflich sein und schob uns auf die glühende Straße Assuan–Kairo. Aber bei allem guten Willen waren 65 Minuten Reisebericht (aus Frankfurt) hart. Dagegen halfen auch Leseproben aus Romanen von Thomas Mann und Agatha Christie nicht. Dabei hatte Kaiser ein recht probates Mittel zur Hand, ermüdende Aufmerksamkeit aufzufrischen: Altertum und Gegenwart, Pharaonen und Nasser ließ er immer wieder flott aufeinander folgen.

Aber leider fehlte es der ganzen Darstellung an dem unbedingt nötigen Schwung. H. K.