Die Ausschüttung einer 10prozentigen Dividende ist für ein Bergbauunternehmen, das dazu noch in die Spitzengruppe der hochkapitalisierten Aktiengesellschaften in der Bundesrepublik gehört, eine respektable Leistung. Die Aktionäre der Gelsenkirchener Bergwerks-AG., Essen, dürften mit dem Ausschüttungsangebot der Verwaltung durchaus zufrieden sein, zufriedener ganz sicher, als mit der Entwicklung des Börsenkurses dieses Unternehmens. Die GBAG-Aktie – sie notiert zwar erheblich über dem Gros der Kohlenwerte – findet wenig Liebhaber mehr: die Kohlenkrise (und eine ungeschickte Kapitalerhöhung vor einigen Jahren) haben ihren Ruf gründlich ruiniert. Dabei übersieht die Börse geflissentlich, daß die GBAG, von Jahr zu Jahr deutlicher, die Pfade der "Monokultur" längst verlassen hat und ein Energiekonzern geworden ist, zu dessen Angebotspalette neben den festen Brennstoffen vor allem die Erzeugnisse des Mineralöls und eine umfangreiche Stromerzeugung gehört. Die anhaltende Expansion der flüssigen Energieträger, an der die GBAG uneingeschränkt teilnimmt, und der noch in Gang befindliche Ausbau der Kraftwerkskapazität geben dem Konzern ein wertvolles Gegengewicht für die nach wie vor dominierende Rolle der Kohle. Allerdings haben auch die Zechen – für sich allein betrachtet – bei Gelsenberg schon einiges zu bieten.

Daß die Essener Verwaltung als immer noch größtes deutsches Zechenunternehmen es von Anbeginn der Kohlenkrise an nicht dabei hat bewenden lassen, die Absatzstockung der festen Brennstoffe lautstark zu beklagen, sondern frühzeitig mit einigem Elan darangegangen ist, ein unternehmerisches Konzept zur Überwindung der strukturellen Schwierigkeiten zu verwirklichen, hat sich bereits bezahlt gemacht. Das Stillegungsprogramm für die Grenzzechen im Bochumer Raum, an dessen Ende der Verzicht auf eine Förderkapazität von 2,4 Mill. Tonnen steht, wurde im Berichtsjahre zügig in Angriff genommen und noch erweitert, so daß jetzt vier Schachtanlagen im Bereich der Gelsenkirchener Bergwerks-AG zur Schließung anstehen.

Für das Geschäftsjahr 1960 kann die GBAG, wie Vorstandvorsitzer Bergassessor Hans Dütting betonte, einen "guten Abschluß" vorlegen, und das ist diesmal sogar vorwiegend der Zechengruppe des Konzerns zu verdanken. Zwar fühlt sich die Gelsenberg – Verwaltung zu der einschränkenden Bemerkung verpflichtet, die Kohlenkrise sei auch hier noch keineswegs überwunden, aber was das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr an Erfolgen bei den Zechen zu verbuchen hatte, ist schon sehr beeindruckend. An dem wirtschaftlichen Ergebnis des Konzerns, das die Verwaltung mit 90 Mill. DM angibt, war der Bergbau diesmal mit 69 (59), die Mineralöltochter Gelsenberg Benzin mit 22 (33) und der Handel mit 9(8) vH beteiligt. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß im Vorjahre wegen der durchgeführten Angleichung der Geschäftsjahre das Konzernergebnis Bergbau-Erträge von 21 Monaten enthielt

Die Zechen haben also wesentlich besser abgeschnitten als im Vorjahr. Das hat nur zum Teil seine Ursache darin, daß die gegenüber 1959 geringfügig eingeschränkte Förderung wieder reibungslos abgesetzt werden konnte. In erster Linie hat eine überdurchschnittliche Leistungssteigerung das Ergebnis so günstig beeinflußt. Die Konzentration von 17 auf 15 Schachtanlagen und von 282 auf 226 Abbaubetriebspunkte charakterisiert diese Entwicklung.

Die Aktionäre werden mit Interesse vernehmen, daß die Einnahmen aus den Haldenverkäufen nicht in das ordentliche Geschäftsergebnis, das für die Dividende beansprucht wird, eingegangen sind. Sie dienten zusammen mit anderen außerordentlichen Erträgen zur Deckung außerordentlicher Aufwendungen, darunter 32 Mill. DM Teilwertabschreibungen für die stillzulegenden Zechen in Bochum. Dabei hat die Verwaltung bestimmt keine besondere Zurückhaltung geübt, und auch nicht üben müssen. Es brauchte die Aktionäre der GBAG also nicht einmal zu beunruhigen, wenn die "Haldensparkasse" im laufenden Jahre weniger ergiebig sein sollte als 1960, wofür in der Tat die Absatzzahlen der letzten Monate sprechen. Die Dividende dürfte davon nicht beeinflußt werden. Der dafür allein interessante Posten, das Betriebsergebnis, hat sich, wie Dütting vor der Presse erklärte, bisher nicht verschlechtert.

Die Entwicklung bei der Öltochter der Gruppe betrachtet die Verwaltung gegenwärtig durchaus mit gemischten Gefühlen. Zwar geht bei der Gelsenberg Benzin AG die Expansion zügig weiter, aber die finanziellen Ergebnisse lassen sehr zu wünschen übrig. Schon der Umsatz blieb im Berichtsjahre weit hinter dem Mengenabsatz zurück, eine Folge des Preisrückganges sowohl beim Benzin als auch beim Heizöl. Der anhaltende Preisverfall hat vor allem in der Ertragsrechnung der Mineralöltochter seine deutlichen Spuren hinterlassen. Der Beitrag dieser Tochtergesellschaft zum Konzernergebnis ist sowohl relativ als auch absolut gesunken. Dennoch wird die GBAG in ihren Investitionen gerade auf dem Mineralölsektor nicht nachlassen. Die Raffineriekapazität wird weiter ausgebaut. 1963 wird der Neubau in Karlsruhe mit einer Durchsatzkapazität von zwei Mill. Tonnen fertiggestellt sein, an dem die GBAG zusammen mit der Mobil Oil mit 45 vH beteiligt ist. Auch der bayrische Raum soll, wie die Verwaltung betont, den "Italienern nicht kampflos überlassen werden"; gemeinsam mit Scholven, Wintershall und Mobil Oil wird der Essener Konzern auch hier "zu gegebenen Zeit" einen Raffinerieneubau durchführen Dagegen dürfte die aus Ertragsgründen besonder begehrte erste Stufe, die Rohölgewinnung für Gelsenberg, noch einige Zeit auf sich warten lassen Die Aufschlußbohrungen in Libyen kosten zurächst einmal Geld; im Berichtsjahre sind dafür als außerordentlicher Aufwand 14,2 Mill. DM eingesetzt worden.

Nach 189,8 Mill. DM im Berichtsjahr werden die Investitionen im Konzern 1961 wieder kräftig die 200-Mill.-Grenze überschreiten. Den Löwenanteil von den veranschlagten 216,4 Mill. DM wird wiederum die Kraftwirtschaft mit 56 (61,4) beanspruchen. Das neue 300-MW-Kraftwerk Prinzregent Nord, das im Herbst den Betrieb aufnehmen wird, fordert diesmal noch seinen Tribut. Danach dürfte dann die Mineralölwirtschaft, für die in 1961 47,8 Mill. DM veranschlagt sind, die Spitze übernehmen. Die langfristige Investitionspolitik der Verwaltung wird die strukturellen Umschichtungen am Energiemarkt weiter berücksichtigen: an der Expansion des Konzerns nehmen die festen Brennstoffe nicht mehr teil.

J. N.