Wenn die Harpener Bergbau AG (Dortmund) für 1960 eine Dividende von 6 vH ausschüttet, dann ist das für ein reines Zechenunternehmen durchaus schon eine diskutable Verzinsung. Für die Aktionäre ist die Freude mindestens relativ; denn zwei Jahre lang mußten sie der Kohlenkrise ihren Tribut zollen und auf die Dividende ganz verzichten. Das Unternehmen hat die Zeit genutzt und sich mit sichtbarem Erfolg um eine Gesundung bemüht. Allein schon der Anstieg der über den Ruhrdurchschnitt hinausgehenden Schichtleistung um 17,4 vH – von 1815 kg 1959 auf 2131 kg im Berichtsjahr – ist ein Ausdruck für die tatkräftig in Angriff genommene Rationalisierung unter Tage, die in der Ertragsrechnung der Harpen-Zechen gewichtig zu Buche schlägt.

Die Aussichten der Harpen-Aktionäre könnten durchaus positiv beurteilt werden, zumal es wohl zutrifft, daß auch der Großaktionär – die in der Sidéchar vereinigten französischen Hüttenwerke haben (1954) 75 vH des Harpen-Kapitals aus dem früheren Besitz der Flick-Gruppe übernommen – an einer möglichst guten Dividende interessiert ist. Das ist in den letzten Jahren, als der Großaktionär häufig für das Ausbleiben der Dividende bei Harpen herhalten mußte, wiederholt betont worden. Und diese Aussage hat in der Tat einiges für sich; denn im Grunde ist die Dividende noch der einzige Vorteil, den die französischen Hütten von ihrem Harpen-Arrangement übrigbehalten haben, da der Sicherung ihrer Koksbezüge nicht mehr die Bedeutung zukommt wie zur Zeit des Erwerbes des Pakets. Es wurde jetzt erneut bestätigt, daß die Sidéchar für ihre Bezüge an Kohle und Koks die vollen Listenpreise entrichtet. Wie wenig das noch ein Geschäft für die französischen Eigentümer ist, geht aus der Mitteilung hervor, daß die Sidéchar den Harpener Koks wegen der hohen Bahnfrachten um 15 DM teurer einkauft‚ als sie ihn in Lothringen beziehen könnte...

Für den günstigen Abschluß des Geschäftsjahres 1960 führt die Dortmunder Verwaltung als ergebnisverbessernde Faktoren an: die nachhaltige Wirkung der Konzentrations- und Rationalisierungsmaßnahmen, die weitere Steigerung der Schichtleistung, die verbesserten Absatzmöglichkeiten, die Überwindung der Feierschichten und den Haldenabbau. Als ausschließlich betriebsintern erzielten Erfolg konnte Harpen eine Fördersteigerung um 3,7 vH – auf 6,261 Mill. t – bei gleichzeitiger Verringerung der Belegschaft um 6,16 vH verbuchen. Diese Mehrförderung konnte voll am Markt untergebracht werden. Die Erhöhung des Fremdumsatzes auf 460 (422) Mill. DM ist weitgehend dem erheblich verbesserten Geschäft der Zechen zuzuschreiben. Der Fremdabsatz bei Kohle stieg um 24,1 vH, bei Koks um 9,7 vH und bei Briketts um 8,5 vH; insgesamt bedeutet das eine Zunahme des Kohlenabsatzes um 15 vH; er blieb damit nur noch 1,2 vH unter dem des Jahres 1957, dem bisher besten Jahr des Unternehmens. Die Lieferungen an die Sidéchar betrugen 1960 noch insgesamt 48 (55) vH des gesamten Fremdabsatzes. Nach Frankreich gingen im einzelnen 0,788 (0,722) Mill. t Kohlen und 1,477 (1,524) Mill. t Koks.

Das wieder flott gewordene Kohlengeschäft hat es dem Unternehmen erlaubt, die Haldenbestände um gut 207 000 t Kohle und Koks abzubauen. Aber immer noch lagen am Ende des Berichtsjahres rund 13 Tagesförderungen Kohle und etwa 81 Tagesproduktionen Koks auf Halde. Im letzten Geschäftsjahr hat Harpen aus der sogen. "Haldensparkasse" einen Differentialgewinn von rund 1,5 Mill. DM vereinnahmt: Die Halden waren ja auf 70 vH der Listenpreise abgeschrieben.

Für die Dividendenzahlung, die einen Betrag von 7,66 Mill. DM erfordert, braucht allerdings, wie das Vorstandsmitglied Josef Fischer ausdrücklich betonte, die "Haldensparkasse" nicht in Anspruch genommen werden. Die Dividende sei einer echten Ertragssteigerung zu verdanken. Man konnte es sich daneben noch leisten, eine Erhöhung der Sonderabschreibungen von 3,3 auf 10,8 Millionen DM vorzunehmen. Insgesamt stieg das Abschreibungsvolumen (einschl. Verluste aus Anlagenabgängen) auf 48,3 nach 35,6 Mill. DM. Für die Notgemeinschaft des Steinkohlenbergbaues ist das Ergebnis mit 2,4 Mill. DM in Anspruch genommen worden; auch in den Jahren 1961 und 1962 ist mit etwa gleich hohen Beträgen zu rechnen.

In Zukunft werden die Harpen-Zechen ihre Investitionen im Rahmen der Abschreibungen halten. Eine weitere Verstärkung ist dagegen beim Stromgeschäft geplant. Die Stromerzeugung des Unternehmens stieg bereits im Berichtsjahr auf 428 (386) Mill. kWh. Im laufenden Jahr wurde der Bau eines 150-MW-Kraftwerkes – mit einem Investitionsaufwand von 75 Mill. DM – in Angriff genommen. Nmn