Die Regierung der Vereinigten Arabischen Republik hat am 22. Juni das Geschäft am Baumvoll-Terminmarkt in Alexandrien bis auf weiteres ausgesetzt. Nach einem entsprechenden Gesetz fungiert jetzt eine staatliche Organisation als Käufer und Exporteur der Baumwollernte. Zur Begründung der Maßnahme verlautete, daß die Baumwoll-Terminbörse in Alexandrien es nicht vermocht habe, dem Weltmarktniveau entsprechende angemessene Preise zu schaffen, und im übrigen wäre durch gewisse Transaktionen ein solcher Druck auf die Börse ausgeübt worden, daß diese in ihrer normalen Funktion behindert gewesen wäre.

Angesichts der Kursänderung in der Baumwollpolitik des Landes am Nil, die seit geraumer Zeit verfolgt wird, kann die Schließung der Baumwoll-, Terminbörse nicht überraschen. Minister Hassan Abbas hatte schon vorher angekündigt, daß die Regierung eine Verminderung der zugelassenen Baumwollfirmen beabsichtigte. Daraufhin wurden etwa 45 selbständige Handelsfirmen durch eine Kapitalverschmelzung zu drei oder vier großen Firmen zusammengefaßt. Der Staat mußte dabei als Teilhaber aufgenommen werden. 15 größere Gesellschaften können ihre Funktion beibehalten, aber auch hier wurde dem Staat ein Anteil von 35 vH zugesprochen. Damit erfolgt der Export der ägyptischen Baumwolle jetzt über 20 praktisch staatseigene Firmen. Für eine Terminbörse war damit auch kein Platz mehr.

Die Funktionsfähigkeit der Alexandriner Baumwoll-Terminbörse, die übrigens für den deutschen Baumwoll-Import-Handel ohne jegliche Bedeutung war, ist schon seit langem erschüttert. Der Grund hierfür sind im wesentlichen bedenkliche Switch-Transaktionen und die von Kairo eingegangenen Kompensationsgeschäfte, wo Abschläge van 20 vH und mehr gewährt wurden. Beim Verkauf ägyptischer Baumwolle an Hartwährungs-Under wurde zwar auch ein sechsprozentiger Abschlag gegeben, aber auch damit lag Ägypten noch weitaus zu teuer. Man konnte sich über Ostblockstaaten – vor allem aus der Tschechoslowakei – billiger mit ägyptischer Baumwolle eindecken als im Direktgeschäft. Der Ostblock hat beispielsweise wiederholt von Alexandrien nach Triest schwimmende Baumwollpartien abgegeben, und zwar mit bis zu 25prozentiger Verbilligung. Meistens erfolgte dies gegen Zahlung in Schweizer Franken, wenn ein größerer Devisenbedarf vorhanden war.

Bei den Besprechungen, die in der vergangenen Woche eine Regierungsdelegation der Vereinigten Arabischen Republik mit der Bundesregierung geführt hat, wurden im Zusammenhang mit der angestrebten Erhöhung der arabischen Exporte nach der Bundesrepublik Möglichkeiten in Aussicht gestellt, auch den Absatz von Baumwolle nach Deutschland zu erhöhen. Hierbei war von einer Liberalisierung des Baumwollexportes die Rede, die allerdings unter den jetzigen Marktbedingungen kaum aktuell ist.