H. M., Hamburg

Resigniert sagte der Major: "Was weiß man denn im Hamburger Rathaus davon, was wir hier draußen in Rahlstedt machen?" In einer kleinen Garnisonstadt sei die Truppe in das Leben der Gemeinde einbezogen. Aber in einer Großstadt wie Hamburg...

Darauf erhob sich Dr. Paul Nevermann, sozialdemokratischer Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, klopfte mit dem Löffel an seine Kaffeetasse und sprach: "Es hat mich sehr beeindruckt, was wir heute gesehen haben. Die Gespräche mit den Soldaten waren interessant und aufschlußreich. Und ich meine, wir sollten den jetzt geknüpften Kontakt nicht abreißen lassen."

Der Ort der Handlung war neu für den Hamburger Bürgermeister: das Offizierskasino der Graf-Golz-Kaserne am Rande der Stadt. Es war das erste Mal, daß das Landesoberhaupt den Weg in eine Kaserne gefunden hatte, Soldat war er nicht gewesen, denn während des Krieges nahmen ihn die Nazis lieber als Arbeitsverpflichteten unter direkte Kontrolle, als ihn zur Wehrmacht einzuziehen. Mit gebührendem Respekt bewunderte Nevermann denn auch die Waffen ebenso wie die mit großem Aufwand an Platzpatronen veranstaltete Gefechtsübung.

So beeindruckt war der SPD-Politiker, daß er anschließend im Kasino versprach: "Wir wollen für die Truppenteile des Standorts nach der Sommerpause einen repräsentativen Empfang des Senats im Rathaus geben, um den Kontakt enger zu knüpfen..."

Kontakt zwischen Bundeswehr und SPD – die Bonner Sozialdemokraten haben ihn seit langem gefordert. Gut, daß ihre Anhänger danach handeln!