Auch bei Mannesmann hat der Börsenkurs in der Aktionärsdiskussion der diesjährigen Hauptversammlung nahezu allen anderen Themen den Rang abgelaufen. Auch hier fiel mit Blickrichtung auf den Kurswert der Mannesmann-Aktie wiederum das Stichwort "Armeleute-Papiere". Von einem bezeichnenden Gespräch am Schalter einer Bank wußte ein Kleinaktionär – er verschwieg dezent den Namen des Instituts – zu berichten: "Was, Sie wollen Montanaktien kaufen?" – so sei er von dem Wertpapiersachbearbeiter gefragt worden – "Sagen Sie, was sind Sie für ein Narr!" Der Aufsichtsratvorsitzer, Dr. Wilhelm Zangen, der die Mannesmann-Aktie als "gutes Anlage-, jedoch kein Spekulationspapier" bezeichnete, war mit Recht anderer Meinung. Allerdings betonte Zangen nachdrücklich, daß die Kursbeschwerde an die falsche Adresse gerichtet worden sei. Die Verwaltung könne nur dafür sorgen, daß das Unternehmen floriert – "das glauben wir, haben wir getan" – die Tendenz an der Börse sei von der Verwaltung nicht zu verantworten. Im übrigen erkannte auch Zangen an, daß die Mannesmann-Aktie "im Verhältnis zu manchen anderen Papieren" unterbewertet ist. Aber wenn man die echten Daueraktionäre betrachte – die etwa seit 1948 ihre Anteile an der Mannesmann AG haben –, dann müsse man, so wurde erklärt, zu dem Schluß kommen, daß diese vor allem unter Berücksichtigung des seinerzeitigen Umstellungsverhältnisses von 1 : 2 und der diversen Bezugsrechte eine recht interessante Entwicklung mitgemacht haben.

Bei Mannesmann konnte die gleiche Beobachtung gemacht werden wie schon in anderen Hauptversammlungen großer Publikumsgesellschaften in diesem Jahr: Die Teilnehmerzahl steigt von Jahr zu Jahr. Zur Mannesmann-HV hatten, sich in diesem Jahr nicht weniger als 3500 Aktionäre angemeldet, und weit mehr als 2000 waren tatsächlich auch erschienen. Zum erstenmal war die Rheinhalle, der größte Saal, den Düsseldorf zu bieten hat, bis auf den letzten Platz gefüllt. Die dennoch sehr kurze und nur von wenigen Sprechern bestrittene Diskussion kann zwar in erster Linie als Beweis dafür gewertet werden, daß die Aktionäre bei Mannesmann weitgehend zufrieden sind, muß aber wohl auch als Zeichen der traditionellen Verbundenheit der Anteilseigner zu den Mannesmann-Unternehmen gesehen werden. Die Abstimmungsergebnisse ergaben ein nahezu uneingeschränktes Votum für die Verwaltung. Die 14prozentige Dividende wurde von der Versammlung bei nur geringen Gegenstimmen gebilligt. Ähnlich verhielt es sich mit den Entlastungsbeschlüssen für Vorstand und Aufsichtsrat. Der Kleinaktionär Erich Nold gab üblicherweise bei diesen Punkten Protest zu Protokoll.

In seinen Ausführungen vor Eintritt in die Tagesordnung hatte der Vorstandsvorsitzer Bergassessor Dr. Hermann Winkhaus, die Erwartung ausgesprochen, daß auch das Jahr 1961 für Mannesmann wieder ein gutes Ergebnis bringen werde. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung biete weiter gute Voraussetzungen für den Absatz, ohne daß jedoch an irgendeiner Stelle des Korzerns von einer Überhitzung gesprochen werden könne.

Besonders nachdrücklich nahm der Vorstandsvorsitzer der Mannesmann AG auch in diesem Jahr wieder zu den nach wie vor bestehenden Schwierigkeiten des westdeutschen Steinkohlenbergbaus Stellung "Wir vermissen eine klare Stellung der Bundesregierung" – so sagte Winkhaus wörtlich – "zur Energiepolitik. Auf die Erhaltung der deutschen Energiequellen kann nicht verzichtet werden, wenn die deutsche Wirtschaft bei steigendem Energiebedarf oder in Notfällen auf sie zurückgreifen will." Es sei eine politische Entscheidung, wie hoch man den hierzu erforderlichen Anteil des deutschen Steinkohlenbergbaus bemessen will. Mannesmann werde jedenfalls seine eigene Versorgung aus den eigenen Zechen sichern, selbst wenn das unter bestimmten Marktverhältnissen eine Belastung bedeuten sollte. "Wir nehmen dieses Risiko bewußt auf uns, halten uns dann aber auch für berechtigt, bei einer wieder einmal eintretenden Verknappung zunächst unseren eigenen Bedarf zu decken."

Winkhaus warf die Frage auf, ob man die heute für den Energiemarkt geltenden Grundsätze der freien Marktwirtschaft auch dann aufrechterhalten will, wenn demnächst sowjetisches Erdöl zu Preisen angeboten würde, die noch weit unter den heutigen liegen. Eine klare Energiekonzeption der Bundesregierung, so betonte der Konzernchef der Mannesmanngruppe weiter, sei die unerläßliche Voraussetzung für die im Bergbau notwendigen unternehmerischen Entscheidungen.

Nmn