Das also war es, worüber man hauptsächlich klagte: Minderwertigkeitsgefühle, Abneigung gegen ein Leben, das ganz an den Haushalt gebunden ist, Verzweiflung über brachliegende Kenntnisse und Fähigkeiten. Fast ein Viertel der Briefschreiberinnen macht sich tatsächlich ernstliche Sorgen darüber, daß ihre Langeweile sich zur Geisteskrankheit auswachsen könne.

Sie schreiben: "Ich würde sogar sagen, daß die Mühen und Sorgen der jungen Mutter, die ohne die nötigen Erleichterungen auskommen muß, ihr und ihrer Familie unendlichen seelischen Schaden zufügen." – "Ich möchte gern einmal einige Zahlen über die seelischen Störungen bei jenen Frauen sehen, die ihrem ganzen Temperament nach nicht für ein Leben geschaffen sind, das sie ausschließlich an den Haushalt fesselt."

Und doch waren diese Briefschreiberinnen weder neurotisch noch hysterisch. Wie die Mehrzahl empfindet, bringt folgender Brief aus einem Londoner Vorort zum Ausdruck: "Kinder großzuziehen, füllt einen keineswegs immer ganz aus, und obwohl es Geduld, Verständnis und eine gute Portion Intelligenz verlangt, beansprucht es die intellektuellen Fähigkeiten nicht, und diese werden so vernachläsigt, daß sie, fürchte ich, am Ende ganz verkümmern. – In zwei oder drei Jahren kommt mein jüngstes Kind auf die Schule, aber bis dahin bin ich wahrscheinlich solch ein Kohlkopf geworden, daß es keine Hoffnung mehr für mich gibt. Der Einwand, daß gelangweilte Mütter jederzeit die geistigen Anregungen finden könnten, die ihnen fehlen, solange sie mit kleinen Kindern mehr als genug zu tun haben, ist purer Unsinn."

Auch Argumente wie dieses zu dem Thema Einsamkeit werden immer wieder laut: Die Mehrzahl der heutigen Berufe führt den Mann aus dem Haus. Er geht morgens weg und kommt abends heim. Die Frau aber, die nicht mehr berufstätig ist, bleibt nun den ganzen Tag über allein. In der Anonymität der großstädtischen Wohnwaben gibt es kaum noch den nachbarlichen Kontakt. Und ist die Familie stolzer Eigenheimbesitzer im Grünen, erschweren meistens die Entfernungen jeden gewohnten Freundschaftsverkehr bis zur Unmöglichkeit.

Es bleibt allein die Freude auf die abendliche Rückkehr des Mannes. Aber heim kehrt der erschöpfte, gehetzte Verdiener, der Ruhe will (und braucht), der tagsüber so viel geredet hat, daß er froh ist, abends kaum mehr den Mund aufmachen zu müssen. Zudem sind viele moderne Berufe mehr oder minder automatische "Tätigkeiten" zum Zwecke des Geldverdienens. Sie erschöpfen, ohne zu befriedigen. Man kann nicht stolz darauf sein, es lohnt sich nicht, davon zu erzählen. Die Frau – enttäuscht und ihrem Gefühl nach von der "Welt" ausgeschlossen – verstummt ihrerseits.

Es handelte sich hier wohlgemerkt nicht um eine Umfrage; die englischen Frauen stellen keinen sorgfältig ermittelten Querschnitt der Gesellschaft dar. Ihre Antworten kamen spontan. Aber wenn sie in irgendeiner Weise typisch für die Einstellung vieler anderer junger Mütter sind, dann ist es um die "Säule", die das Familienleben darstellen soll, äußerst schlecht bestellt. Es ist fraglich, ob da Ermahnungen noch helfen, wie man sie immer wieder bei uns hört: Wer erst mit Freuden einer eigenen Familie zuliebe seinen Beruf aufgibt, hinterher jedoch wieder sehnlichst danach verlangt, scheint bei der Auffassung von der selbstgewählten Lebensaufgabe einige Konsequenzen vermissen zu lassen. Oder: die wesentlichen Entscheidungen sind immer den einzelnen aufgetragen. Vieles kann auch unter den heutigen erschwerten Umständen der Familie glücken. Voraussetzung ist allerdings, daß die Frauen lernen, Wichtiges und Unwichtiges zu unterscheiden und die wesentliche Aufgabe der Frau zu kennen.