DÜSSELDORF (Deutsche Oper am Rhein):

"Der Liebestrank" von Donizetti

Mit einer Neuinszenierung dieser komischen Oper schloß die Rheinoper ihr Saisonprogramm ab. Unter der musikalischen Leitung von Alberto Erede, dessen gedehnte Zeitmaße auffielen, und in der Ausstattung von Ekkehard Grübler inszenierte als Gast Hans Hartleb. über den prominent gewordenen Regisseur, der als Oberspielleiter von Frankfurt an die Bayerische Staatsoper geht, zeigt sich die Düsseldorfer Kritik erstaunt: "Braves Stadttheater", resümiert die Rheinische Post, und die Düsseldorfer Nachrichten: "Mehr routiniertes Arrangement nach tausendfach erprobten Bühnenrezepten als formende Regie." Im gesanglichen Mittelpunkt standen Benno Kusche (Dulcamara) und Rudolf Francl.

BAD HERSFELD (Stiftsruine):

"Das große Welttheater" von Hugo von Hofmannsthal

Für die XI. Festspiele in der romanischen Kirchenruine trägt zum ersten Male William Dieterle die künstlerische Gesamtverantwortung. Vier Neuinszenierungen enthält der diesjährige Spielplan. Die erste wurde vom Frankfurter Generalintendanten Harry Buckwitz geleitet. Er hat den Text des Festspiels "Das große Welttheater" stark gerafft und dramatisch konzentriert. Als "Welt" kommt Liselotte Schreiner, geschürzt wie eine Marketenderin, mit ihrem Kleiderwagen auf die Szene gefahren. Ihre spinnenbeinigen Gehilfen schieben später die "Bühne" zusammen, die mit fünf hohen Paravents von Heinz Ludwig gegen die Tiefe des Chorraums abgegrenzt ist. Weg von opernhaften Dekors, statt dessen mittelalterliche Holzschnitthaftigkeit – das schien die szenische Leitidee des Regisseurs zu sein. Sie wurde mit einigen Beleuchtungseffekten und stellenweise melodramatischer Verwendung der hohltönenden Musik von Hans Petsch allerdings nicht konsequent durchgeführt.

Neubesetzt sind alle Rollen des Hersfelder Standardstücks. Am prägnantesten waren außer L. Schreiner der souverän sprechende "Engel" von Peter Ehrlich, der bajuwarisch spielfreudige "Vorwitz" von Fritz Schmiedel und der "Bettler" – als welcher Martin. Hirthe noch etwas angestrengt wirkte. Jung waren "König", "Schönheit" und "Weisheit": Wolfgang Stender, Miriam Spörri und Doris Schade. Ihre Stimmen trugen in dem großen Freiluftraum nur teilweise. Paul Mederow, der "Tod", sprach vom Tonband, das von der Höhe des Turms im Rücken der Zuschauer erklang, auch die Stimme des "Meisters".