Fünftausend Soldaten in neuen Uniformen paradierten am letzten Freitag vor Kasawubu, dem Präsidenten der kongolesischen Zentralregierung. Leopoldville feierte den Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongo. An der Spitze der Truppen marschierte eine Kompanie aus Katanga, prächtig anzuschauen mit breitkrempigen Buschhüten.

In Elisabethville aber, der Hauptstadt Katangas, wurde nicht gefeiert. Katanga demonstriert seine Unabhängigkeit, indem es die Unabhängigkeit zwölf Tage später bejubelt. Freilich nicht nur im Jubel unterscheiden sich Tschombe, der Präsident Katangas, und Kasawubu, der Staatschef in Leopoldville. Was sie trennt, sind vor. allem ihre Ansichten über die staatsrechtliche Konstruktion eines wiedervereinigten Kongostaates.

So bereitwillig Tschombe die Unabhängigkeit Katangas und den Reichtum dieser Provinz auf dem Altar der Einigkeit opfern wollte, als er noch in der Gewalt der Zentralregierung war, so schwerhörig stellt er sich jetzt, da er aufs neue Herr seiner eigenen Entschlüsse ist, wenn darauf wieder die Rede kommt. Wohl schickte er eine Kompanie zur Parade, aber er selbst und die Abgordneten Katangas werden vorläufig nicht zur Sitzung des Parlaments nach Leopoldville reisen. Angeblich fühlen sie sich dort auch unter dem Schutz der UN nicht sicher genug.

Auch von der Zollunion und der Integrierung seiner Truppen in die Armee der Zentralregierung will Tschombe jetzt nichts mehr wissen. Vorläufig will er offenbar lieber König in Elisabethville als zweiter Mann in Leopoldville sein. R. Z.