Da gibt es den Ausspruch eines geistreichen Mannes aus den zwanziger Jahren: "Die Entwicklung geht vom Matriarchat über das Patriarchat zum Sekretariat." Die Damen, die das "Sekretariat" zu einer Weltmacht werden ließen, scheinen nach staatlicher Anerkennung ihrer Position zu lechzen. Fünfzig von ihnen erschienen kürzlich in Bonn, um bei den Parlamentariern die Schaffung eines "Sekretärinnenpasses" anzuregen. Sie würden damit das Recht erhalten, sich "Diplom-Sekretärinnen" zu nennen.

Es ist verständlich, daß die Damen aus den Sekretariaten nicht mehr frei im Raum schweben wollen. Ein Diplom würde eine Elite schaffen. Man würde dann erstmalig in der Historie der staatlich geprüften "Elite-Sekretärin" begegnen. Die Reihenfolge wäre dann wohl: Sekretärin, Chefsekretärin, Privatsekretärin, Diplomsekretärin. Oder rangiert Diplomsekretärin nicht so hoch in dieser Hierarchie? Eventuell muß man da in Zukunft auch, zwischen Dienstgrad und Dienststellung unterscheiden? Wie gehabt! Ist Diplomsekretärin dann also sozusagen der Dienstgrad und Chefsekretärin die Dienststellung?

Die Damen wurden von der Ärztin und CDU-Abgeordneten Frau Dr. Maria Pannhof empfangen. Sie sagte: "Noch 1880 hat es ein berühmter Professor gewagt, ein Buch über den psychologischen Schwachsinn des Weibes‘ zu schreiben. Heute haben wir Frauen bewiesen, daß wir alles können."

Da wurde durch die Aktion der Sekretärinnen ein Buch nun wieder öffentlich genannt, das schon ehedem Aufsehen erregt hatte. Der Autor heißt Dr. P. I. Möbius, und der Titel lautet exakt: "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes." Wie man sieht, zielt dies Thema nicht auf die Psychologie, sondern auf die Physiologie ab.

In der Tat stehen in diesem Buch Sätze, die heutzutage seltsam anmuten. Zum Beispiel: "Wer aus Gefühl handelt, handelt halb instinktiv. Der Instinkt hat große Vorzüge; er ist zuverlässig und macht keine Sorge. Das Gefühl nimmt zur Hälfte an diesen Vorzügen teil. Instinkt macht das Weib tierähnlich, unselbständig, sicher und heiter..."

Weiter trifft der ehedem viel beachtete Autor folgende Feststellungen "bei Weibern": "Was für wahr und gut gilt, ist ihnen wahr und gut." Und weiter: "Wenn das Weib nicht durch die Umstände unschädlich gemacht wäre, wäre es höchst gefährlich." Und er schreibt über die jungen Mädchen: "Die Suggestibilität des jungen Mädchens nimmt mehr und mehr ab. Eintönige Eigensuggestionen herrschen vor und bewirken Eigensinn." Doch dann gesteht der Gelehrte: "Die Feststellung leichten Schwachsinns gehört zu den schwierigsten Aufgaben!"

Die Konfrontation der auf ihre Zukunft bedachten Sekretärinnen mit diesem Buch von ehedem, das immerhin noch 1922 in 12. Auflage (Verlag Carl Merhold, Halle) neu aufgelegt wurde, zeigt in der Tat das Ausmaß einer Entwicklung an, die man sich gar nicht klar genug machen kann.

Was heißt nun aber "tierähnlich"? Ist es vielleicht im Sinne der "großen Tiere" gemeint, die überall das Feld beherrschen? N-s.