FÜR denjenigen, dem Italien außer der Kiste Dias vom letzten Sommer auch noch dies ist: Ausgangspunkt und Inbegriff der Renaissance – Baldesar Castiglione: "Das Buch vom Hofmann"; Sammlung Dieterich, Carl Schünemann Verlag, Bremen; 470 S., 15,80 DM.

ES ENTHÄLT das ideale Bild des Hofmannes, so wie es Graf Baldesar Castiglione, Mitglied des herzoglichen Hofes von Urbino 1528, entworfen hat: Ein Mann, dessen untadeliger Charakter, vollendete Manieren und erlesener Geschmack sich mit theoretischer Kenntnis und praktischer Beherrschung des Kriegshandwerkes wie der Kunst, der Literatur wie der Liebe paaren.

ES GEFÄLLT als wichtiges Dokument der Renaissance, das im 16. Jahrhundert bereits fünfzig Ausgaben erlebte, drei Jahre nach seinem Erscheinen schon ein englisches (freilich sehr englisches!) Pendant zur Folge hatte (Elyot’s "Governor") und darüber hinaus in einer "raffaelischen" Prosa geschrieben ist, deren harmonische Anmut und Eleganz auch noch heute ein Genuß ist. – a. f.