Vielleicht schreibt in dreißig oder vierzig Jahren ein junger Dramatiker ein Stück über die Staufenberg, Beck, Witzleben, Yorck oder Moltke.

Vorläufig weiß man zuviel und zuwenig von den Rebellen, um ihnen als Figuren auf der Bühne oder im Film zu begegnen. Die bisherigen, übrigens recht achtbar bemühten filmischen Versuche in dieser Richtung sind da in ihrer historischen Ungenauigkeit und biographischen Indiskretion, ihrer politisch-moralischen Thesenhaftigkeit und kriminalistischen Dramaturgie ziemlich abschreckende Beispiele. Zunächst wird man es nicht anders machen können als Alexander Lernet-Holenia in seiner Novelle "Der 20. Juli", die unter dem Titel "Land, das meine Sprache spricht" von Michael Kehlmann für das Fernsehen bearbeitet und inszeniert wurde – also Verlegung des Schauplatzes vom innersten Verschwörerkreis in die Randbezirke zufällig Hineinverwickelter, Ersetzung des politischen Staatsstreichmotivs durch privatmenschliche Gewissensnot, die den Putsch nicht hervorbringt, sondern in ihn mündet.

Mit der Geschichte einer jungen Offiziersfrau, die durch den Tod der von ihr versteckten jüdischen Freundin in den Sog des allgemeinen Schicksals gerissen wird, hatten die Autoren einen Handlungsaufbau, der Hochpolitisches am ganz Privaten abhandelt und demonstriert: Der Ausgangspunkt zu einem großen Film über das heikle Thema war gegeben.

Aber dann bekam es das Autorengespann mit der Sorge, daß die Sache nicht aufregend, spannend, abenteuerlich genug sei, und bot alle Ingredienzien eines Kriminalfilmes auf.

Und das ist gewiß noch ärger als das andere Extrem – der Putsch vom 20. Juli als Vorwand für einen Reißer. Überdurchschnittliche Regie, Kameraführung und Besetzung (Hilde Mikulicz, Alexander Kerst, Hans Leibelt, Paul Verhoeven) machten das nicht wett. lupus