Die Parolen der "Deutschen Friedens-Union" – Wo die Linken und die Rechten sich. treffen

Von Rolf Zundel

Die Menschen suchten Schutz unter Schirmen und in den Hauseingängen. Sacht, aber ohne Pause nieselte der Regen auf dem Römerberg in Frankfurt. Schwer vor Nässe hingen die Spruchbänder herab. Die band hinter dem Rednerpodium spielte das alte Negro-Spiritual Nobody knows the trouble I’ve seen – kein Mensch weiß, wieviel Jammer ich erlebte. Fünfhundert mögen es gewesen sein, die zur Kundgebung der Deutschen Friedens-Union gekommen waren, zur Schlußveranstaltung des Bundeswahlkongresses, der in der Nachbarstadt Wiesbaden getagt hatte.

Im Jammer über die politischen Zustände in der Bundesrepublik haben sich die Mitglieder der DFU getroffen. "Kein Mensch weiß, wie schlimm es hier steht, aber wir wollen es euch sagen!" – so lautete die Heilslehre, die in Wiesbaden verkündet wurde. Es muß sich alles, alles wenden. Sosehr sich die Redner der Friedensunion gegen die Verleumdung wehrten, ihre Partei sei von Kommunisten gesteuert, die Heilslehre von Wiesbaden war jener zum Verwechseln ähnlich, die in Ostberlin verkündet wird.

Wenn einmal der Militarismus und der Faschismus in der Bundesrepublik gebändigt seien, so lautet die Botschaft aus Ostberlin, dann sei der Frieden gesichert und die deutsche Einheit erreichbar. Graf von Westphalen, Vorstandsmitglied der DFU, sprach in Wiesbaden davon, daß in der Bundesrepublik "die Politik des Kaiserreiches und Hitlers beinahe vollinhaltlich nachgeahmt" werde.

Franz Knorr, ehemaliger Bundesvorsitzender der Roten Falken, der sich rühmte, noch gute Verbindungen zu SPD-Mitgliedern zu haben, donnerte: "Wir stehen vor 1933." Die Bonner Politik, so behauptete er, diene den "Hitler-Generalen" und "den Globke und Oberländer, die eigentlich zu dem Prozeß nach Israel gehören." All dies hätte fast wörtlich im Zentralorgan der SED, "Neues Deutschland", stehen können.

Wo kommt das Geld her?