Ungeklärte internationale Lage, Ferienstimmung und die Befürchtung, daß wie schon früher häufig unerwartete Ereignisse mit oder vor Einbringung der Ernte sich einstellen könnten, schließlich der Ausklang der Generalversammlungsperiode, was auf dem Gebiet der Börseninformationen eine Leere erzeugt, endlich die unsichere Haltung der New Yorker Börse – all dies hat zur Verringerung der Umsätze, und auch weitgehend zu einen Abbau aller spekulativen Verpflichtungen geführt. Das Privatpublikum aber verkauft nicht! Nicht, daß es sich der Risiken, die mit der Berlinkrise zusammenhängen können, nicht bewußt wäre! Es weigert sich jedoch hartnäckig, an kriegerische Verwicklungen unter Einsatz von Atomwaffen zu glauben, und sagt sich resigniert: wenn dieser äußerste Fall eintreten sollte, so gäbe es ohnehin keinen Ausweg für solide Vermögensanlagen mehr. Infolgedessen hält es still und beschäftigt sich vorwiegend mit dem Bezug junger Aktien zur Auffüllung seines Effektenportefeuilles, was ihm durch das massive Einfließen großer Dividenden im Verlaufe des Monats Juli wesentlich erleichtert wird.

Die Gesamtheit des Kursniveaus hat sich nur wenig geändert. Im Durchschnitt liegt der Index noch immer ungefähr 20 vH über Jahresanfang. Nur reagieren die verschiedenen Wertpapierkategorien nicht mehr so einheitlich wie früher. Die Spitzenwerte (Warenhäuser, Textilkonzerne und Chemieaktien) haben ihren dynamischen Schwung nicht verloren. Elektrizitätswerte halten ihr Niveau, und die führenden elektronischen Werte (Compagnie des Compteurs, Generale d’Electricite, Machines Bull, Labinal) werden weiter gekauft. Sie lassen sich durch vorübergehende Rückschläge nicht stören.

Banken bleiben trotz günstiger Geschäftsberichte vernachlässigt. Auf den Montanwerten lastet zur Zeit ein gewisser, offenbar spekulativer, Druck. Es scheint, daß unter der Hand Aufkäufe stattfinden. Die französische Schwerindustrie ist voll ausgelastet. Die Gestehungskosten sind im Vergleich zum europäischen Ausland günstig und gestatten die Aufrechterhaltung hoher Exportquoten. Aus den Veröffentlichungen der Umsatzziffern läßt sich ersehen, daß auch für das laufende Jahr mit guten Abschlüssen zu rechnen ist. Über eine ungewöhnlich günstige Konjunktur wird aus der Werkzeugmaschinen-Industrie berichtet. Alle Aktien dieser Kategorie liegen fest. Erdölwerte haben ihren Rückgang, wenn man auf größere Zeiträume zurückblickt, sehr verlangsamt. Bei Esso, Standard und Française des Pétroles werden Kapitaltransaktionen und Ausgabe von Gratisaktien erwartet. RETLAW