Il Gobbo, der Bucklige, Protagonist dieses Films, sei eine „typische Rebellennatur“, heißt es im Presseheft des Verleihs. Regisseur Carlo Lizzani wird das nicht wahrhaben wollen. Dennoch, leider, stimmt es. Nicht die Geschichte eines willensstarken und bewußten Widerstandskämpfers und Revolutionärs, der sich ob scheinbar unlösbarer privater Konflikte und enttäuschter politischer Hoffnungen zum haltlosen Revoluzzer und Gangster wandelt, wird hier erzählt.

Dies beachtliche Thema, mag immer es Lizzani vorgeschwebt haben, wurde verschenkt zugunsten der gleichermaßen knallhart wie undistanziert erzählten Geschichte eines jungen Mannes, der im Kampf gegen die Faschisten vor 1945 ebenso wie in der blinden Rebellion gegen die amerikanischen Befreier von 1945 stets nur die Möglichkeit sieht, sich, den Buckligen, als ganzen Mann zu bewähren und als verkannten Weltverbesserer herauszustellen.

Die Frage, ob es zum Widerstand und zur Veränderung gesellschaftlicher Zustände nicht nur heißer Herzen, sondern auch kühler Köpfe bedarf, durch den unpassenden Protagonisten wird sie fast zur Mär eines modernen Schinderhannes abgedrängt. Die Fixierung von Ort und Zeit (Rom und Umgebung, Herbst 1944 bis Frühjahr 1945) bleibt denn auch meist auswechselbar, bleibt Atmosphäre und Kolorit.

„Jetzt haben sie ausgespielt, die Faschistenschweine. Jetzt sind wir dran!“ und „Das Blatt hat sich gewendet!“ – solche Worte aus Antifaschisten-, Sozialisten- und Kommunistenmund läßt die Regie hartnäckig unkommentiert, und sie hält es mit jenem braven blonden Ami, der den Erklärungen des Mädchens Ninetta nur sein „Ich verstehe euch nicht!“ entgegenzusetzen weiß.

Daß einem eben beendeten Krieg die neue Ordnung keineswegs auf dem Fuße folgt, dies zu erklären, in diesem Sinne den Film zur Chronik von 1945 zu machen, der Regisseur und seine Autoren verschmähen es. Sie lassen den Betrachter so unbelehrt zurück, wie es der Bucklige schon zu Beginn des Films war. rpk

„Der Transport“: Ein Reserveleutnant, Studienrat, unmilitärisch, obendrein halbblind, kommandiert einen Transport mit Strafgefangenen auf dem Weg an die Front. Unterm Eindruck der Ereignisse wird er selbst zum Deserteur aus Gewissensgründen. Daraus hätte sich eine exemplarische Filmnovelle ziehen lassen, wenn Buch (O. Wuttig, M. Mansfeld und P. H. Rameau, nach dem Roman von Wolfgang Altendorf) und Regie (erst Herbert Viktor, dann Jürgen Roland) sich auf die Geschichte des Leutnants konzentriert hätten. Hannes Messemer, man spürt es, hätte den Konflikt getragen. Indessen überwuchern die abenteuerlichen Verwicklungen gegen Ende völlig die individuelle Geschichte. pat