Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Am 2. Juli ist in Frankfurt zum sechstenmal der Deutsche Jugendbuchpreis verliehen worden. Den Kinderbuchpreis erhielt Michael Ende: "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" (Thienemann), den Sonderpreis für die beste Neubearbeitung klassischer Kinder- und Jugendbücher: Paul Alverdes/Cooper: "Wildtöter" (Obpacher).

Um ganz genau zu sein: es ist der siebente Preis. Aber der Manuskriptpreis, den die deutsche Bundesregierung 1953 noch kühn und mutig selber verliehen hat, ist sogar Fachleuten aus der Erinnerung gefallen. Niemand weiß mehr, was für ein Manuskript es war, ob es je einen Verleger gefunden hat und ein Buch geworden ist.

So kann also 1956 als das Geburtsjahr des Preises bezeichnet werden, der eigentlich aus drei bis vier einzelnen Preisen besteht. Denn prämiiert werden (oder können werden): das beste Bilderbuch, das beste Kinderbuch, das beste Jugendbuch. Dazu kommt in unregelmäßigen Abständen ein Sonderpreis. Pro Hauptpreis stehen 5000 DM (bis 1958 waren es 3000 DM) zur Verfügung und außerdem noch einmal 3000 DM, mit denen weitere Bücher ausgezeichnet werden können. Mit der Auswahl der Bücher und der Preisverleihung wurde der Arbeitskreis für Jugendschrifttum (die deutsche Sektion des Internationalen Kuratoriums für das Jugendbuch) beauftragt. Er tut bis heute diese Arbeit. In ihm sind "alle Organisationen vertreten, die sich auf Bundesebene mit der Pflege des Jugendschrifttums befassen" – eine stattliche Zahl.

Dieses Gremium wählt die Hauptjury. Sie besteht aus dem ersten und zweiten Vorsitzenden der Einzeljurys, dem Vorsitzenden der Hauptjury und soviel Beisitzern, daß es elf Juroren sind.

Die Einzeljurys hinwiederum, von ihren Vorsitzenden zusammengestellt, bestanden in den ersten Jahren aus fünf bis neun, heute aus neun bis elf Mitgliedern, "die auf dem Gebiet des Jugendschrifttums besondere Kenntnisse besitzen müssen". Nach welchen Grundsätzen und mit welchem Erfolg sie arbeiten, bleibt den jeweiligen Vorsitzenden mehr oder weniger allein überlassen.

Es gab zwar einmal einen "Vorschlag für Beurteilungsgrundsätze", der begann: "Wir befragen das Sprachwerk nach dem Maße seiner inneren Einheit...", und es gibt auch ein "Merkblatt für die Mitglieder der Prüfungsausschüsse", das die äußere Systematik der Auswahl erläutert und daran erinnert, daß die Urteile der Jury vertraulich sind – aber es gibt nichts, was etwas über die Rechte und Pflichten der Juroren, über Sinn und Zweck ihrer Arbeit, über ästhetische und pädagogische Probleme der Auswahl sagt.