Mit der ganzen Dynamik, die dem Bundesverteidigungsminister nun einmal eigen ist, zog er aus, der Korruption zu Leibe zu rücken. Vor einem halben Jahr drohte er denjenigen Firmen, die einem seiner Beamten oder Angestellten bei der Vergabe von Rüstungsaufträgen "vertragswidrige Vorteile" gewährten, empfindliche Strafen an. Und zwar sollte im Vertrag eine Strafe in Höhe von 10 Prozent des im Angebot genannten oder im Zuschlag fixierten Preises festgelegt werden. Strauß kalkulierte, daß die Sprache solcher Zahlen manchem mehr Eindruck machen dürfte als die Paragraphen des Strafgesetzbuches.

Nach langen Beratungen mit den Vertretern der Wirtschaft erließ Strauß nun Durchführungsbestimmungen zu seinen Strafandrohungen, durch die diese so verfeinert worden sind, daß ihnen viel von ihrem Schrecken genommen wurde. So kann jetzt die Firma, wenn sie nur nachweist, daß sie ihre Beauftragten gehörig belehrt hat, deren Bestechung sehr billig sühnen: Sie braucht nämlich in diesem Falle nicht 10 Prozent der Auftragssumme zu bezahlen, sondern nur die Hälfte der Jahresbezüge ihres straffälligen Beauftragten, oder sogar nur ein Sechstel, wenn sie nachweist, daß sie – wegen dieses Verstoßes – das Vertragsverhältnis mit dem Beauftragten löst.

Also: Angenommen die Vertragsstrafe macht 1 Million DM aus, das halbe Jahresgehalt aber nur 20 000 DM – welche Chance, durch Übernahme einer Schuld seine Schulden loszuwerden! So kehrte unser Bundesverteidigungsminister, der mit vollen Segeln in den stürmischen Ozean hinausgeschifft war, still, mit dem Kahn, den ihm die Lobby und deren Auftraggeber bauen ließen, wieder heim. R. S.