Aktionäre der Deutschen Erdöl AG wünschten Aufklärung

Daß sich die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Erdöl AG, Hamburg, in einer entspannten und von Vertrauen durchwehten Atmosphäre vollzog, war nicht zuletzt auf den guten Abschluß zurückzuführen, mit dem die Verwaltung aufwarten konnte. Für die Aktionäre war jedoch nicht nur die 12prozentige Dividende, die auf das nach der Angliederung der Rheinpreußen AG erhöhte Kapital gezahlt wird, ein Grund zur Zufriedenheit. Stärker noch wirkte auf sie die Dynamik, die aus den umfangreichen Investitionsplänen der DEA spricht und die für die Zukunft noch viel erwarten läßt. Dr. Hugo Griebel, der in Vertretung des erkrankten Vorstandsvorsitzenden, Dr.-Ing. Günther Schlicht, die traditionelle Vorstandserklärung abgab, sprach von 300 bis 400 Mill. DM, die die DEA im Laufe der nächsten Jahre investieren werde, wobei dem Aufbau der verschiedenen petrochemischen Großprojekte eine besondere Bedeutung zukommt. Neben dem klassischen Erdölbereich und der Kohle, die keineswegs vernachlässigt werden, soll nämlich gerade dieser Zweig die Produktions- vor allem aber die Ertragsbasis der DEA in Zukunft noch verbreitern helfen.

Insofern ist es verständlich, wenn Dr. Griebel bei Erörterung der Frage, warum der Börsenkurs der DEA-Aktie so niedrig sei, erklärte, der – inzwischen allerdings unterbrochene – Kursrückgang laufe der Entwicklung der Gesellschaft zuwider. Er sei ebenso unerklärlich, wie die Tatsache, daß die Börse bereit sei, selbst dividendenlose Aktien oft höher zu bewerten als Papiere, die wie die DEA-Aktie eine überdurchschnittliche Rendite bringen. Die sehr gezielte Frage eines Aktionärsvertreters, ob mit neuen Kursrückgängen zu rechnen sei, wenn das Bankenkonsortium die ihm bei der Übernahme der aus dem Umtausch hervorgegangenen Aktien auferlegten Verkaufsverpflichtungen erfülle, fing der Aufsichtsratsvorsitzende, Franz Heinrich Ulrich, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG, mit gewohnter Routine auf. Nach seinen Worten gibt es heute nur noch bei der Haniel-Gruppe ein Paket im Nominalwert von rund 14,1 Mill. DM, das aber als Daueranlage gedacht sei und, falls doch ein Verkauf erfolgen solle, dem Bankenkonsortium angeboten werden müsse. Dieses Bankenkonsortium habe die übrigen nom. 42,3 Mill. DM DEA-Aktien entsprechend den Vereinbarungen zum größten Teil schon 1959 und den Rest 1960 außerhalb der Börse veräußert und breit gestreut placiert. Der Verkauf eines Spitzenbetrages von 675 000 DM, der zur Abrundung des Kapitals aufgelegt worden war, ist von den Hausbanken nahestehenden Investment-Gesellschaften zum Tageskurs übernommen worden. Diese ausführliche Darstellung war typisch für die Haltung der Verwaltung, die sich nach Beantwortung zahlreicher Fragen eines Vertreters der Deutschen Schutzvereinigung nicht zu Unrecht als publizitätsfreudig apostrophierte. Sie erhielt dafür dann auch den Beifall der Versammlung, die schließlich mit nur wenigen Gegenstimmen den Dividendenvorschlag billigte und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilte. SE