Gabors Wunder-Box

Zukunftsmusik? Mitnichten: An der Cornell-Universität hat man bereits ein Gerät entwickelt, das Schriften lesen kann, und im Cambridge-Laboratorium der US-Luftwaffe nimmt eine elektronische Sekretärin Diktate auf. Und schon hat der englische Professor Gabor eine "Prediction-Box" entwickelt, die zu einem der mächtigsten Instrumente der Menschheit werden mag.

Gabors Maschine ist ein elektronischer Prophet. Ihr Prinzip ist einfach: Jeder zeitlich verlaufende Vorgang kann graphisch dargestellt werden, und die sich daraus ergebende Kurve läßt sich mathematisch in Form einer Gleichung ausdrücken. Setzt man in diese Gleichung den Zahlenwert ein, der einem Zeitpunkt der Zukunft entspricht, dann gibt sie Auskunft darüber, wo sich diese Kurve zu diesem Zeitpunkt befinden wird, vorausgesetzt, sie bleibt ihrem bisherigen Verhalten treu.

Viele Vorgänge in der Natur und im wirtschaftlichen und sozialen Leben erfüllen diese Voraussetzung. Die Berechnung des mathematischen Ausdrucks für das bisher Geschehene, mit dem man dann Aussagen über die zukünftige Entwicklung machen kann, ist allerdings außerordentlich mühsam. Gabors Verdienst ist es, das Problem mit einer Maschine gelöst zu haben. Sein Gerät beginnt mit einer angenäherten Formel für den gegebenen Funktionsverlauf. Diese Formel wird dann durch selbsttätige Kontrollen laufend verbessert.

Häufig besteht das Problem freilich gerade darin, die charakteristischen Entwicklungstendenzen zu erkennen. Das kann die Prediction-Box noch nicht. Die bionischen Filter sollen ihr nun helfen, den "Weizen von der Spreu" zu trennen.

Das Auswählen, das kritische Sichten der angebotenen Informationen ist eine der wichtigsten Funktionen biologischer Systeme. Der englische Biologe W. Ross Ashby behauptet sogar daß geistige Produktivität letzten Ences nichts anderes sei als die Fähigkeit, aus dem Gemisch aller möglichen Gestalten diejenige auszuwählen, die eine gestellte Frage befriedigend beantwortet.

Ein Kind, das mit Holzklötzen spielt, auf denen die Symbole 2, 3, 5, +, = stehen, legt diese Klötze sicher einmal in die Reihenfolge 2 + 3 = 5, Es wird darüber kaum mehr beglückt sein als über = 5 3 2 + oder irgendeine andere Kombination. Erst die Fragenach der Rechenaufgabe sondert die eine Reihenfolge unter den anderen als sinnvoll aus. Nach Ashby kommt man auf neue Ideen, wenn man zur Beantwortung einer Frage eine Zufallsfolge von Aussigen – sinnvolle wie auch unsinnige – an seinem geistigen Auge vorüberziehen läßt und dann zuschnappt, wenn das Passende daherkommt – eine Methode, die sich auch maschinell darstellen ließe. Eine solche Maschine wäre ein Intelligenzverstärker, wie der Dampfhammer ein Muskelverstärker ist.