Die Ausarbeitung solcher Zufallsfolgen dürfte technisch keine Schwierigkeiten bereiten. Wie aber soll eine Maschine feststellen, daß eine angebotene Aussage das aufgeworfene Problem löst? Der hierzu von Ashby vorgeschlagene Mechanismus ist der Homöossat. Homöostasie nennt man die Eigenschaft eines Systems, unter verschiedenartigen äußeren Einflüssen einen stabilen Zustand herzustellen. Ashbys Homöostat ist ein Analogon zum Gehirn des Lebewesens. Er reagiert auf Störungen in seiner Umwelt, indem er sich in eine neue Gleichgewichtslage einpendelt. Zum Auswahlapparat eignet er sich, weil er gleichzeitig vielen Anforderungen gerecht werden kann.

Die Suche nach Gleichgewichtslagen in einer Welt der Wünsche und Begrenzungen ist fürwahr ein menschliches Problem. Es bestimmt das Leben des Individuums ebenso wie das der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gemeinschaften. Ein solche; Gleichgewichtsproblem kann zum Beispiel in einem Industriebetrieb auftreten, der ein Forschungsteam für ein neues Projekt zusammenstellen muß. Hierbei müssen psychologische, fachliche und kaufmännische Gesichtspunkte berücksichtigt werden: Die Altersdifferenz soll insgesamt nicht mehr als acht Jahre betragen. Dem Team sollen ein Diplomingenieur oder zwei Fachschul-Ingenieure angehören; es werden drei Chemiker gebraucht und zwei Physiker oder auch nur ein Physiker, wenn einer der Chemiker physikalische Chemie als Fachgebiet hat.

Gehaltsansprüche, Arbeitszeit, die Frage der Unterbringung, die familiäre Situation der Bewerber – all diese Anforderungen und Einschränkungen lassen sich als Umwelt-Bedingungen für die homöostatischen Elemente einer Maschine verschlüsseln. Ihr steht auf der anderen Seite ein Katalog zur Verfügung, in dem die Bewerber samt ihren Qualifikationen und Wünschen eingetragen sind. Die Maschine stellt daraus alle möglichen Kombinationen zusammen und wägt sie gegen die Bedingungen ab. Vielleicht gibt es keine Lösung; dann muß die Betriebsleitung großzügiger sein. Möglicherweise aber bietet die Maschine auch mehrere Lösungen an, und der Befrager kann seine Anforderungen noch weiter präzisieren.

Die homöostatisch arbeitende Maschine, zu deren Verwirklichung auch die die Bionik wesentlich beitragen wird, sprengt nun wirklien die Grenzen der Erfahrung ihres Konstrukteurs. Niemand kann voraussagen, wie sie sich in unvorhergesehenen Situationen verhalten wird. Darin liegt auch ihr Sinn: Sie soll mehr sein als nur eine Denkhilfe‚ die – wie der Elektronenrechner – dem Menschen geschwind zur Hand geht; sie soll neue und originelle Lösungen finden. Der Elektronenrechner wird ihr Sklave sein.

Werden homöostatische und bionische Maschinen, die wir mit menschlichen Verhaltensprinzipien beseelt haben, dann aber auch noch unsere Sklaven bleiben? Eine beruhigende Antwort auf diese bange Frage: Ganz können sich solche Maschinen unserer Willkür nie entziehen: Ein Druck auf den Knopf, und der Spuk ist vorüber.