Auch in dem Abschluß 1960 der Deutsche Werft AG, Hamburg, die zur Spitzengruppe der internatioalen Werftindustrie gehört, schlägt sich der seit 1957 völlig daniederliegende Weltfrachtenmarkt nieder. Allerdings weniger in der Bilanz und in der Gewinn- und Verlustrechnung als vielmehr in der Abnahme des Auftragsbestandes, der Ende 1960 bei rund 600 000 Tonnen Tragfähigkeit lag. Ende 1955 betrug der gesamte Auftragsbestand dieser zweitgrößten deutschen Werft noch 735 000 tdw. Die Werft konnte also die 14 abgelieferten Neubauten mit 282 000 Tonnen Tragfähigkeit nicht voll durch Neubauaufträge ersetzen, so daß also der gegenwärtige Auftragsbestand nur noch bis in das Jahr 1963 hineinreicht.

Seit der D-Mark-Aufwertung hat die Deutsche Werft lediglich einen Auftrag neu hereinnehmen können, während gleichzeitig eine Option in einen Festauftrag umgewandelt wurde. Die Schwierigkeiten bei der Hereinnahme neuer Aufträge liegen weniger in der fünfprozentigen DM-Aufwertung als vielmehr in der internationalen Währungsunsicherheit. So wollte die Werft den Auftrag zum Bau eines 54 000 Tonnen tragenden Tankers nicht kontrahieren, da der Reeder den Kontrakt auf Sterling-Basis abzuschließen gedachte, die Werft aber nicht bereit war, das Währungsrisiko einer langfristigen Auftragsfinanzierung zu tragen. Wie Dr. William Scholz, alleiniger Vorstand der Werft, erklärte, ist die Werft höchstens bereit, Dollarkontrakte zu schließen. Die Währungsunsicherheit zeigt sich auch in der Entwicklung der Bankguthaben seit der Währungsreform. Diese betrugen am Jahresende 43 Mill. DM und blieben bis zum 5. März etwa konstant. Seit der Zeit haben sie sich auf 158 Mill. DM erhöht. Darunter sind Zahlungen von Reedern, deren Schiffe noch gar nicht in Bau sind, die sich aber mit diesen Zahlungen gegen eine mögliche weitere Aufwertung sichern wollen. In diesen Zahlen zeigt sich deutlich, daß das Ausland noch nicht wieder bereit ist, den Versicherungen der Bundesregierung, daß keine weitere DM-Aufwertung kommen wird, Glauben zu schenken.

Erstmalig veröffentlicht die Deutsche Werft eine "durchsichtige" Gewinn- und Verlustrechnung. Bei Umsatzerlösen von 313 Mill. DM, die sich damit auf etwa auf Vorjahreshöhe halten, beträgt der Rohertrag 97 Mill. DM. Nach Abzug der Aufwendungen, unter denen die Löhne und Gehälter mit 63 Mill. DM. den größten Posten einnehmen, verbleibt ein Jahresüberschuß von 5,2 Mill. DM, von denen 2,8 Mill. DM den Rücklagen zugeführt werden. Aus dem Reingewinn von 2,3 Mill. DM schüttet die Werft auf das durch Ausgabe von Zusatzaktien von 12 auf 16 Mill. DM erhöhte Grundkapital unverändert 14 vH Dividende aus. W. K.