BREMEN (Kunsthalle): "Neuerwerbungen" und "Picasso"

Die Kunsthalle wurde nach neun Monaten Umbau wieder geöffnet, Die pompöse Eingangshalle mit den düsteren Holztoren ist hell, modern geworden, mit neuen Ausstellungsflächen und einem Rundgang im ersten Stock, wo die Kunst der Gegenwart untergebracht ist. Die Neuerwerbungen der letzten beiden Jahre sind durch blaue Schilder hervorgehoben. Günther Busch hat Bremens spezielle Sammelgebiete wie den Kreis der Nabis (um Denis, Bonnard, Vuillard) und die französische Romantik um Delacroix bedeutend verstärkt. Bei den Modernen sind zwei Bilder von Beckmann, ein Doppelbild von Kirchner, ein großes Materialbild von Nesch dazugekommen, bei den Niederländern Jordaens und Fabritius, In den Sonderausstellungsräumen im Erdgeschoß präsentiert die Kunsthalle, im Hinblick auf Picassos 80. Geburtstag im Oktober, ihren gesamten Picasso-Bestand, vor allem sehr viel Druckgraphik und die illustrierten Bücher. Die neueste Erwerbung sind die 44 farbigen Linolschnitte von 1959/1960, die schon in vielen deutschen Städten (zur Zeit in München in der Galerie Otto Stangl) gezeigt wurden. Die Ausstellung wird durch Leihgaben (16 Gemälde, überwiegend aus deutschem Privatbesitz) ergänzt. Sie datiert bis zum 6. August.

HAMBURG (Dr. Ernst Hauswedell): "Rudolf Kügler"

Kügler leitet seit einigen Jahren die Email-Werkstatt an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Er macht nicht "kunstgewerbliches" Email, keinen Schmuck und keine Schalen, sondern reguläre Bilder mit figurativen oder ornamentalen Motiven, die sich von Malerei nur durch den kühlen metallischen Glanz der Emailfarben unterscheiden. Vor allem ist er ein ausgezeichneter Graphiker. Am liebsten zeichnet er Architekturen und technische Anlagen, sachlich, präzise, nüchtern. Bei dem heutigen Trend zu schrankenloser Selbstaussage wirkt solche kühle Sachlichkeit entschieden sympathisch. Die Ausstellung dauert bis zum 29. Juli.

HANNOVER (Kestner-Gesellschaft): "Louis Moilliet"

Bei uns wußte man von dem Schweizer Maler eigentlich nur, daß er mit Klee und Macke als dritter Mann auf der berühmten Tunis-Reise im Frühjahr 1914 dabeigewesen war. Klee hat in seinen Tagebüchern ausführlich darüber berichtet, "Letzten Dezember haben wir zu drei geschworen, daß es sein soll. Louis gönnt es mir, will für Geld sorgen gegen Bilder von mir. Macke sorgt für sich selber, der verkauft ganz gut..." Und über die zwei Gefährten: "Gute Jungen. Sehr begabt, Macke leicht und glänzend. Moilliet verträumt." In Hannover sieht man vor allem seine Aquarelle. Landschaften auch aus Afrika, wo er 1928 noch einmal gewesen ist, ohne die Freunde: das Kaffeehaus in Kairuan, die Hütten der Eingeborenen, die verschleierten Frauen – unendlich zart, hell, duftig. In der Schweiz hat der heute Achtzigjährige längst einen Namen. Basel hat sein Gesamtwerk mehrfach ausgestellt. Die erste deutsche Ausstellung endet am 23. Juli.

NÜRNBERG (Germanisches Nationalmuseum): "Meister um Albrecht Dürer"